Ministerin sagt Ende des Stierkampfs voraus

von Dirk Baranek am 20. Februar 2007

ImageCristina Narbona Ruiz, Ministerin für Umweltschutz in der Regierung Zapatero, ist überzeugt, dass der Stierkampf in Spanien keine Zukunft mehr hat. Deshalb seien gesetzliche Maßnahmen, z.B. eine Änderung des Tierschutzgesetzes, zunächst nicht geplant. Schon seit Wochen steht Narbona für ihre wiederholt geäußerte Ablehnung der “corridas” im Sperrfeuer konservativer Traditionsbewahrer.

Die Konservativen laufen Sturm …

Verständlich, wenn man bedenkt, welchen Stellenwert das blutige Spektakel nicht nur für den ausländischen Blick auf Spanien sondern auch für das Selbstverständnis spanischer Nationalisten hat. Die “Fiesta Nacional” (Nationalfest) gehört für sie zum gesellschaftlichen Leben dazu. Nicht umsonst ist das Geschehen in und um die Arenen in jeder spanischen Tageszeitung Teil der regelmäßigen Berichterstattung. Die Protagonisten wie Matadoren, Stierzüchter oder Organisatoren sind beliebte Objekte der Klatschpresse, vergleichbar mit Fußballern oder Schlagersternchen. Die Konservativen, denen das ganze Projekt der linken Regierung mit Frauenrechten, Verbraucher- und Gesundheitsschutz nicht passt, laufen also mal wieder Sturm. So auch der Präsident der Region Kantabrien Miguel Angel Revilla, der sich nicht zu schade war, die Stellungnahmen der Ministerin mit den Aktivitäten der Taliban zu vergleichen. Die Kampagne rüttele an den Grundfesten der spanischer Kultur: “No se puede entender este país sin los toros.” (Ohne die Stiere kann man dieses Land nicht verstehen.), deklamierte er bei einer Feierstunde, bei der verdiente Kämpfer, Mäzene und Fans (aficionados taurinos) geehrt wurden.

Neue Umfrage: Nur 8% finden es gut

Aber Frau Ministerin lässt nicht locker. Sie führt an, dass die Position Spaniens in Fragen des Tierschutzes vor allem im europäischen Kontext immer schwieriger würde. Ausnahmeregelungen zu Gunsten des Stierkampfes ließen sich kaum noch durchsetzen. Allerdings hat sie ein Verbot bis jetzt nicht ausdrücklich gefordert, sondern den Vorschlag gemacht, zumindest die Tötung der Stiere zu unterlassen. Aber dieser Brett ist dick und daher bohrte sie gestern weiter mit den Ergebnissen einer repräsentativen Umfrage, die Schlagzeilen machte. Danach sind nur 8% der Spanier Befürworter der “fiesta de los toros”. Allerdings sähe das Bild in Andalusien anders aus. Dort finden 40% den Stierkampf eine gute Sache. Die Ministerin, selbst einige Jahre im Süden in der Regionalregierung, musste eingestehen, dass es dort wohl eine besonders stark ausgeprägte Tradition gäbe.

Aber die Gruppe der Stierkampf-Gegner wächst und es ist wohl nicht ganz falsch, wenn Narbona vermutet, dass die Befürworter vor allem bei Menschen jenseits der 50 zu suchen sind. Mit ihrer Ablehnung einer Änderung des Strafrechts bzw. eines ausdrücklichen Verbots scheint Narbona also eher auf eine “biologische Lösung” zu setzen: Irgendwann wird ganz einfach niemand mehr hingehen …

Links
Recht umfangreiche, deutschsprachige Infos zum Phänomen Stierkampf findet man bei der deutschen Wikipedia. Dort auch weiterführende Links zu Webseiten deutscher “aficionados”.

Foto
Ministerio de Medio Ambiente