Aktuelle Notizen aus dem Macho-Land

von Dirk Baranek am 27. Februar 2007

Was wir alle schon immer geahnt haben, jetzt wissen wir es mal wieder ganz genau: Spanien ist nach wie vor das Land des Machismo. Dafür gibt es verschiedene aktuelle Belege …

Haushalt machen? ¡No gracias!

Spanische Männern machen nix im Haushalt – das ist ein Ergebnis von Eurobarometer, einer aktuellen Sozialstudie der EU.

Danach halten spanische Männer rein gar nichts von der Hausarbeit. Nur 3% gaben an, sie würden putzen, 5% meinten, sie würden kochen, und 7% bekannten, ab und zu zu bügeln. Diese Werte sind die niedrigsten in Europa! Die Daten für Deutschland sind etwas besser, aber auch nicht optimal 11%, 18% und 10%. Die besten Werte mal wieder aus Schweden: 19%, 21% sowie 12 %.

Gewalt gegen Frauen nimmt kein Ende

Das Bild von Macho-Land hat nicht nur diese sozio-kulturellen und eher beschaulich anmutenden Seiten, sondern sehr hässliche, brutale. Die alltägliche Gewalt gegen Frauen ist vorhanden und gipfelte allein in diesem Jahr in 14 ermordeten Frauen. Die meisten wurden Opfer ihrer agressiven Ehemänner oder Liebhaber …

Die Regierung von Zapatero hatte bei ihrem Amtsantritt daher konkrete Maßnahmen beschlossen. Von starker Symbolkraft war schon die Tatsache, dass die Hälfte des Minister-Kabinetts aus Frauen bestand, konkreter die Schaffung eines neuen Staatssekretariats, das sich ausschließlich dem Problem der Gewalt gegen Frauen widmet, die Delegación Especial del Gobierno contra la Violencia sobre la Mujer. Und bereits ein halbes Jahr später wurden Nägel mit Köpfen gemacht: ein umfangreiches Gesetz zum Schutz vor “geschlechtlicher Gewalt” (Ley Orgánica de Medidas de Protección Integral contra la Violencia de Género) wurde im Dezember 2004 verabschiedet. (Text in Spanisch)

Darin wurde den Frauen umfangreiche Möglichkeiten eingeräumt, ihre körperliche und geistige Unversehrheit von staatlichen Institutionen schützen zu lassen und entsprechendes staatliches Handeln beschrieben. Genützt hat es noch nicht viel, aber es hat die Atmosphäre einer stillschweigenden Akzeptanz und des Wegschauens geändert. Heute wurde ein weitere Maßnahme in Gang gesetzt: In allen provincias (besser zu übersetzen mit Regierungbezirke als Provinzen) wurden Stellen eingerichtet, um Daten in Fällen von Misshandlungen zu sammeln und die Maßnahmen vor Ort zu koordinieren. Bedrohte Frauen sollen so bessere Möglichkeiten haben, sich vor der Gewalt schützen zu lassen.

Fazit

Während der ökonomische Prozess sich in den letzten Jahren beschleunigt hat und zum Beispiel das Problem der Arbeitslosigkeit, das Spanien viel Jahrzehnte drückend belastet hat, fast ausradiert hat, hinkt die gesellschaftliche Entwicklung hinterher. Traditionelle Geschlechterrollen ändert man nicht einfach so und wer im spanischen Alltag die Augen offen hält sieht dafür überall Anzeichen. Oder schon mal ein Fußballspielendes Mädchen gesehen? Zum Vergleich: Laut spanischer Wikipedia gibt es in Spanien 11.000 Spielerinnen. In Deutschland sind es laut DFB über 900.000!