Chef von ABC warnt vor den Schattenseiten des Online-Journalismus

von Dirk Baranek am 1. März 2007

Auch in Spanien sind die klassischen Medien-Verlage bemüht, die neuen technologischen Möglichkeiten des Web für ihre Zwecke zu nutzen. Und wie auf der ganzen Welt haben sie damit so ihre Schwierigkeiten. Um sich über die neuen Prozesse auszutauschen, wurde heute in Huesca der 8. Kongress des Online-Journalismus (Congreso de Periodismo Digital) eröffnet. Die Eröffnungsrede hielt José Antonio Zarzalejos, Chefredakteur des konservativen Traditionsblattes ABC.

In seiner Ansprache würdigte Zarzalejos zum einen die enormen Fortschritte, die das Web nicht nur dem klassischen Journalismus durch seine Recherchemöglichkeiten eröffne, sondern auch als Schauplatz ganz neuer Medienformate. Bei diesen neuen digitalen Zeitungen sah er aber auch erhebliche Gefahren und Defizite. Vor allem das Fehlen klassischer Techniken des Journalismus bei Recherche und Trennung von Information und Kommentar bedauerte er ausdrücklich. Ein Zitat aus der Rede:

El periodismo digital, en mi opinión, parece querer romper tabúes y convenciones que juzga como limitadores de la libertad de expresión y por eso, orillando muchas veces las normas tradicionales del oficio –la firma de la crónica, el contraste de la noticia en diversas fuentes, la publicación directa del rumor, la desprofesionalización de sus redacciones– se presenta como un periodismo redentor de la connivencia de los medios tradicionales con los poderes económicos, políticos, sociales y culturales.

Meiner Meinung nach scheint der digitale Journalismus Tabus und Konventionen verletzen zu wollen, die er als einschränkend für die Freiheit des Wortes empfindet. Deshalb präsentiert er sich als ein von der Nachsicht der traditionellen Medien mit den ökonomischen, politischen, kulturellen und sozialen Kräften erlösender Journalismus, der dabei allerdings oft die traditionelle Berufsethik vom Tisch wischt, wie z.B. die Veröffentlichung des Namens des Autoren, die Unterschiede einer Nachricht aus verschiedenen Quellen, die direkte Veröffentlichung von Gerüchten, die Deprofessionalisierung der Redaktionen.

In Spanien haben die Tageszeitungen ähnliche Rückgänge der Verkaufszahlen zu verzeichnen wie überall. Zurzeit liegt die die durchschnittliche Gesamtauflage der spanischen Tagespresse bei ca drei Millionen. Im Vergleich dazu stehen die Online-Ausgaben schon fast besser da: Allein die Web-Seiten, deren Nutzerzahlen von dem Oficina de Justificación de la Difusión (OJD) (ähnlich dem deutsch IVW) kontrolliert werden, haben täglich über 3,7 Millionen Besucher. Und jeden Tag werden es mehr…