Galicische Historiker erstellen Karte der Bürgerkriegsopfer

von Dirk Baranek am 3. März 2007

Eine Arbeitsgurppe von Historikern aller drei Universitäten in Galicien haben mit einem bisher einzigartigen Forschungsprojekt zur Geschichte des spanischen Bürgerkriegs (1936-39) begonnen. Erstmals sollen detaillierte Daten über Namen von hingerichteten Opfern zusammengestellt werden. Außerdem werden alle Orte, an denen die von den Franquisten verübten Erschießungen stattfanden, in einer Karte veröffentlicht werden. Um die Daten zu erheben, werden auch erstmals Akten der Militärverwaltung in La Coruña ausgewertet.

Xulio Prada, Professor an der Universität in Ourense und Koordinator des Projektes, geht von etwa 4.500 bis 7.000 standrechtlich Erschossenen in Galicien aus. Er betonte die besondere Situation in der nordwestlichen Region, in der es kaum Massengräber gebe, sondern verstreute anonyme Gräber mit bis zu höchstens 5 Leichen. Ausnahme sei die Stadt El Ferrol gewesen, in der es eine starke Oppostion in der Arbeiterschaft gegeben habe, der man sich nur durch Massenerschießungen zu erwehren wusste. Es habe nicht genügende Gefängnisse gegeben, weshalb sogar Schiffe in provisorische Gefängnisse umgewandelt worden seien. Die Ergebnisse der Forschungsarbiten sollen im Sommer 2007 präsentiert werden.

Galicien, Heimatregion des Putschistengenerals und späteren Diktators Franco, war seit Beginn des Bürgerkrieges in der Hand der Franquisten. Nach dem Ende des Regimes wurde die Region jahrelang von den Konservativen regiert u.a. von dem Ex-Franco-Minister Manuel Fraga Iribarne als Presidente de la Xunta de Galicia. Dieser verlor Ende 2005 80jährig knapp die Regionalwahl, was einer politischen Sensation gleichkam. Seitdem wird Galicien von einer Mitte-Links-Koalition aus Sozialisten und moderaten galicischen Nationalisten regiert.

Quelle: La Voz de Galicia