Sprachenstreit jetzt auch in Asturien

von Dirk Baranek am 14. März 2007

Es ist nur ein kleiner Fall, aber er steht symptomatisch für die aktuelle Auseinandersetzung um die Regionalsprachen in Spanien. In der Region Asturien, offizieller Titel Principado de Asturias, hat ein führender Mitarbeiter der Exekutive einen Antrag auf Besuch eines Kardiologen in asturianischer Sprache gestellt. Dieser wurde nun abgewiesen mit dem Hinweis, dass er nicht in der offiziellen Amtssprache abgefasst sei. Allerdings wird auch in dem Autonomiestatut der Atlantikregion der Gebrauch dieses romanischen Dialekts ausdrücklich gestattet. Es heißt:

Todos los ciudadanos tienen derecho a emplear el bable/asturiano y a expresarse en él, de palabra y por escrito.

Alle Bürger haben das Recht, das Bable/Asturianisch zu benutzen und sich darin auszudrücken, mündlich und schriftlich.

Gestritten wird jetzt darüber, ob dieser Passus sich nur auf das private Leben bezieht oder auch auf die staatliche Kommunikation.

Eines wird deutlich: Die Benutzung und Förderung der regionalen Sprachen, die im Baskenland, Katalonien, Valencia und Galizien am weitestem gediehen ist, führt in den anderen Regionen zu einer reflexartigen Suche nach ähnlichen Hebeln. Denn im Grunde geht es weiter um eine Vertiefung der Autonomie, um die Durchsetzung föderaler Strukturen, die in Spanien erst im Aufbau begriffen sind. Dabei kommt es auch zu manch absurden Erscheinungen, dass aus Dialekten Sprachen werden, die erstmal künstlich definiert werden müssen. Sprache war historisch gesehen in Spanien eben immer auch ein Mittel des poltischen Kampfes. Sowas hat es z.B. in Deutschland nie gegeben. Wer weiß allerdings, wie das hierzulande ohne bundesstaatliche Verfassung aussehen würde…

Quelle: La Nueva España

Link: Wörterbuch der asturischen Sprache (Ast/Span)