Bloggen unter Polizeischutz – baskischer Alltag

von Dirk Baranek am 2. April 2007

Was es bedeutet, sich im Baskenland bei der demokratischen Linken zu engagieren und eben KEIN Separatist oder baskischer Nationalist zu sein, zeigt ein Beitrag, den der spanische Blogger César Calderón in seinem Blog NetoRatón 2.0 heute veröffentlicht hat. Unter dem Titel Martini con escolta (Martini mit Leibwächtern) beschreibt er in seinem Blog einen Besuch und gemeinsamen Kneipenabend mit seinem Freund und Bloggerkollegen Alfonso Gil in Bilbao am Wochenende. Gil ist 39 Jahre alt und Mitarbeiter der Justizverwaltung. Er ist Funktionär mit Schwerpunkt Lokalpolitik bei der PSE-EE, dem baskischen Ableger der Regierungspartei PSOE, und deren Kandidat für den Gemeinderat der baskischen Metropole.

Calderón beschreibt den Abend so:

Gestern war ich in Bilbao, um mit meinem Freund Alfonso Gil, dem nächsten bloggenden Stadtrat von Bilbao, einen Aperitiv zu nehmen. Wir hatten uns mit ihm im La Viña verabredet, neben dem Konservatorium von Bilbao und er erwartete uns auf der Straße.

Als wir uns ihm näherten, bemerkten wir, dass er nicht alleine war. Da waren noch zwei weitere Personen bei ihm, seine Leibwächter. Während wir die Gran Vía Richtung Iruña herunterliefen. blieben sie an unserer Seite, gingen neben uns und schauten sich nach allen Seiten um.

Während wir Tintenfisch aßen, waren sie dabei, und als wir die Bar wieder verließen, waren sie erneut da und sicherten mit ihrer Präsenz unseren Weg.

Ich muss gestehen, dass obwohl ich mir den Anschein der Normalität gab, war das alles für mich überhaupt nicht normal. Es ist, als ob man in einer bewachten Freiheit wäre, als ob man sein gesamtes Privatleben öffentlich macht. Man kann mit den Kumpels keinen trinken gehen, man kann die Kinder nicht einfach von der Schule abholen – immer muss man warten, bis die Schutzengel kommen, bevor man das Haus verlassen kann. Man muss seine gesamten Aktivitäten im voraus planen….

So sieht er aus, der baskische Alltag für jemanden, der es wagt, sich mit demokratischen Mitteln für seine Ideen zu engagieren. Die Angst, dass die Morddrohungen der ETA wahr werden, betrifft in ihrer Mehrheit nicht Minister oder Großunternehmer, sondern besonders Kommunalpolitiker. Sie sind besondere Hassobjekte der bewaffnet kämpfenden Separatisten. Davor, ihre Drohungen wahrzumachen, haben die ETA-Kommandos in der Vergangenheit nicht zurückgeschreckt.