30 Jahre Sábado Santo Rojo – Webfeature zur Rückkehr der kommunistischen Partei Spaniens

von Dirk Baranek am 5. April 2007

PCE WebfeatureDie Zeitung El Mundo hat ein gut gemachtes und recht interessantes Webfeature anlässlich des 30. Jahrestages der Wiederzulassung der Partido Communista de España (PCE) zusammengestellt.

Eine umfangreiche Fotodokumentation, Videointerviews mit den 1977 Beteiligten, historische Plakate und Tondokumente lassen eine Zeit lebendig werden, die im heutigen Spanien weit entfernt scheint, die aber weiter nachwirkt.

In den Jahrzehnten nach dem Ende des Bürgerkriegs 1939 waren die Kommunisten die Hauptfeinde des franquistischen Staates. Das war die Konsequenz aus der ideologischen Begründung des Staatsstreichs, der vermeintlichen Rettung Spaniens vor dem Weltkommunismus. Gleichzeitig waren die Kommunisten aber auch diejenigen, die am hartnäckigsten den Widerstand gegen das Franco-Regime im Untergrund organisierten und versuchten Teile der Arbeiterbewegung am Leben zu erhalten.

Nach dem Ende der Diktatur nach dem Ableben des Caudillo war es ein heikler Punkt, ob die noch schwache, nicht durch Wahlen legitimierte, auf politische Öffnung zielende Regierung von Adolfo Suarez die Kommunisten wieder zulassen würde. Die Rechte schaute genau zu, was passierte. Sollten die alten Staatsfeinde Nr. 1 sich wieder frei in Spanien bewegen können?

Am 9. April 1977, ein Ostersamstag, der als Sábado Santo Rojo in die Annalen einging, erließ der Ministerpräsident ein entsprechendes Dekret und erlaubte die Wiederzulassung der PCE, die allerdings ihrerseits einige entscheidende programmatische Änderungen vorgenommen hatte. Klassenkampf, Diktatur des Proletariats, Verstaatlichung – diese Punkte waren nun nicht mehr Teil des Programms. Man hatte sich zu “Euro-Kommunisten” gewandelt, wie die Reformkommunisten z.B. in Italien oder Frankreich damals bezeichnet wurden. Demokratie und reconciliación (Versöhnung) standen auf dem Programm.

Trotzdem war die Teilnahme der PCE an den ersten freien Wahlen im Mai 1977 und die Rückkehr vieler Exilanten, darunter historischer Persönlichkeiten wie Dolores Ibárruri (La Pasionara), ein weithin sichtbares Zeichen an die noch vorhandenen franquistischen Strukturen, dass jetzt andere Zeiten angebrochen waren.

1986 ging die PCE in dem linken Bündnis Izquierda Unida (IU) auf, das im aktuellen Kongress 7% der Abgeordneten stellt.