Katalanischer Bildersturm

von Dirk Baranek am 10. April 2007

Eine kleine Meldung vom letzten Wochende zeigt, dass auch Katalonien nicht zur Ruhe kommt und sein Status innerhalb Spaniens nach wie vor Gegenstand einer recht heftigen Protestbewegung ist. Es gab nämlich einen kleinen Bildersturm, der mal wieder beweist, dass die Schatten der Geschichte in Spanien immer noch sehr lang sind.

In 30 katalanischen Städten haben am Donnerstag und Freitag letzter Woche Mitglieder der Organisation CAJEI 600 Schilder mit Straßennamen abmontiert. Außerdem wurden 250 buzones, die grellroten zylindrischen Briefkästen der staatlichen Post, übermalt.

Übermalter Briefkasten KatalonienStein des Anstoßes bei den Schildern war die Abbildung des franquistischen Wappens neben den Straßennamen, dem Symbol der faschistischen Organisation Falange mit Joch und Pfeilbündel (Yugo y la Flecha). Nun ist es einigermaßen erstaunlich, dass 30 Jahre nach dem Ende des Franco-Regimes diese Schilder noch immer nicht ausgewechselt wurden. Diese Tatsache ist wohl zum einem Symptom für den gewählten Weg der Versöhnung, bei dem auf den radikalen Bruch mit oder gar eine strafrechtliche Aufarbeitung der Diktatur verzichtet wurde, und zum anderen für den immer noch vorhandenen Entwicklungsrückstand einiger ländlicher Regionen. So gesehen, ist die Aktion von CAJEI, der Coordinadora d’Assemblees de Joves de l’Esquerra Independentista, katalanisch etwa für Koordinierungsbüro der Vereinigungen der Jugend der linken Unabhägigkeitskämpfer, eigentlich eine Sache, die nicht unbedingt verwerflich ist. Zudem wurden die meisten Gemeindebehörden im Vorfeld per Anschreiben von der bevorstehenden Aktion informiert.

StraßenschildAber wie so oft in Spanien schießt die radikale separatistische Linke mal wieder über das Ziel hinaus. In ihrem Aufruf zu der Aktion prangern sie das Fortbestehen von simbologia feixista, espanyola i militar an – der faschistischen, spanischen und militärischen Symbolik. Und stellen damit munter eine ungebrochene Kontinuität von Franco zur heutigen Demokratie her. So werden Briefkästen, die das gekrönte Symbol der spanischen Post tragen, zu Botschaftern eines vermeintlich faschistisch-zentralistischen Spaniens. Und gehören daher übermalt mit dem Symbol der katalanischen Republik. Die gesamte Rhetorik dieser Linken zeigt allerdings auch, dass bei ihr die Schatten ebenfalls länger werden. Denn eigentlich will man natürlich eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Und dass man die nicht kriegt, ist nur die Schuld “Spaniens”. Das lässt außer Acht, dass das starke katalanische Bürgertum traditionell eher rechtsliberal ist. Denen reicht in der Mehrheit die inzwischen recht weitgehende Autonomie, die mit dem neuen Regionalstatut Ende letzten Jahres erreicht wurde. Die Linke hingegen stürmt weiter und zieht aus der fehlenden historischen Aufarbeitung weiter ihren Honig.

Quelle: El Mundo, CAJEI