The Economist: Spanien vor der Spaltung

von Dirk Baranek am 10. April 2007

Das britische Wirtschaftsmagazin The Economist hat in seiner diese Woche erschienenen Printausgabe eine vernichtende Analyse der aktuellen Konflikte in der spanischen Innnenpolitik geliefert. Am Ende dieser Krise, so die Befürchtung des Spanien-Korrespondenten des renommierten Wochenmagazins, stünde das erneute Heraufziehen der dos Españas, der zwei sich unversöhnlich durch ideologische Grenzen gegenüberstehenden und bis aufs Messer bekämpfenden rechten und linken Lager.

Hauptsymptom dieser Krise sei das Verhalten der konservativen Volkspartei (Partido Popular / PP), die einen Boykott gegen die Medien der PRISA-Gruppe, zu der die größte spanische Tageszeitung El País und die Radiokett Cadena SER gehört, ausgerufen hat. Anlass war eine harsche Kritik des PRISA-Eigentümers Jesús de Polanco an den von der PP mitorganisierten Demonstration Ende März. Polanco sprach von franquistischen Aufmärschen und äußerte Befürchtungen, sein Unternehmen werde Nachteile nach einem möglichen Übernahme der Macht durch die PP im nächsten Jahr erleiden.

Daraufhin verkündete die PP einen Boykott für alle Medien der PRISA-Gruppe. Keine Interviews, keine Teilnahme an Podiumsdiskussionen, keine Hintergrundgespräche – bevor sich Polanco nicht entschuldigt habe.

Der denkt nicht dran und nun sieht sich die PP nicht nur von nationalen und internationalen Journalistenverbände an den Pranger gestellt, sondern auch in der eigenen Partei werden erste kritische Stimmen laut. Auch der Economist sieht die Partei in der Sackgasse, allerdings PRISA ebenso, denn beide bräuchten einander. Die einen, um nicht in den wichtigsten Medien hinten runter zu fallen, und die anderen, um eine unabhängige Berichterstattung zu garantieren.

Quelle: Bottup