Institut legt Studie zur Situation der spanischen Roma vor

von Dirk Baranek am 13. April 2007

Die Situation der spanischen Roma ist nach deren eigener Einschätzung nach wie vor düster. Zu diesem Ergebnis kommt eine heute vorgelegte Studie des sozialwissenschaftlichen Instituts CIS im Auftrag der Ministeriums für Arbeit und Soziales. Dabei wurden Ende 2006 über 1.600 Interviews mit gitanos durchgeführt, dem spanischen Wort für “Zigeuner”, das aber auch von den Angehörigen dieser größten ethnischen Minderheit in Spanien selbst benutzt wird. So nennt sich der zentrale Verband der spanischen Roma Unión del Pueblo Gitano. Das Begriff leitet sich wahrscheinlich aus dem spanischen Wort für “Ägyter”, egiptano, ab, da die Roma sich selbst als solche bezeichneten.

Das Verhältnis der Spanier, die von den Roma als payos bezeichnet werden, zu ihrer im 15 Jhd. eingewanderten Minderheit ist nicht gut, wie die Studie eindeutig belegt. Vor allem der alltägliche Rassismus und die Diskriminierung macht den Roma das Leben schwer. Bei der Wohnungssuche, beim Disco-Besuch, bei der Gründung eines Unternehmens – überall stoßen Gitanos auf erhebliche Vorbehalte und Widerstände. Fast die Hälfte von ihnen sagen denn auch, dass der Rassismus für Sie das größte Problem darstellt. Darauf folgen gleich die auf der jahrhundertelangen Marginalisierung beruhenden Schwierigkeiten: Arbeitslosigkeit, mangelnde Bildungschancen, soziale Isolierung.

Thema Bildung: Gitanos mit Hochschulstudium sind die absolute Ausnahme. Nur einer von 500 hat eine Universität besucht, der spanische Durchschnitt liegt bei einer von acht Personen. 15% der Gitanos haben sogar nur weniger als fünf Jahre lang eine Schule besucht und fast 30% haben die Schule ohne Abschluss verlassen. Trotzdem ist der Analphabetismus in dieser Volksgruppe kein endemisches Problem mehr.

Thema Wohnung: Zwar sind in der Mehrheit die meisten Roma inzwischen sesshaft, aber noch immer leben viele in an Elendsviertel der Dritten Welt erinnernden Hüttensiedlungen, den so geannten chabolas am Rande der großen Städte. Fast die Hälfte der Befragten beklagen unzumutbare Zustände bei ihren Wohnverhältnissen wie kein fließend warmes Wasser (8%) oder feuchte Wände und fehlendes Tageslicht (47%).

Ein paar Zahlen:

  • Geschätze Anzahl von Roma in Spanien: 500.000 – 700.000
  • Hauptwohngebiete: Andalusien (300.000, 5% der Gesamtbevölkerung dieser Region), Katalonien (80.000), Madrid (60.000), Region Valencia (50.000)
  • Konfession: 40% sind katholisch, 49% gehören einer protestantischen Freikirche an

Quelle: El País

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