Beispiel Mallorca: Die zerklüftete Struktur der spanischen Parteienlandschaft in den Regionen

von Dirk Baranek am 15. April 2007

Die deutschsprachige Zeitung El Aviso, die auf Mallorca erscheint, hat auf ihrer Website eine recht informative Übersicht über die Parteien veröffentlicht, die sich auf der Baleareninsel bei der Kommunalwahl Ende Mai den Wählern präsentieren. Dies ist insofern recht interessant, weil die Liste eine ähnlich zerklüftete politische Landschaft belegt, wie sie in ähnlicher Form in allen den spanischen Regionen existiert, die einen starken Hang zur Autonomie haben.

Im konservativen Lager des Parteienspektrums auf Mallorca repräsentiert die regierende Partido Popular (PP), die mit mit Jaume Matas auch den Präsidenten der Regionalregierung stellt – vergleichbar mit einem Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer – die zentralistische Variante, während die Unión Mallorquina (UM) eher die regionalistischen Mallorca-Patrioten vertritt, die auch schon mal mit ausländerfeindlichen Thesen auf sich aufmerksam machen. Wobei in dem Falle alle Ausländer sind, die nicht auf Mallorca geboren wurden…

Das linke Lager stellt sich auf Mallorca etwas komplizierter dar. Hier gibt es zum einen die zentralistischen Sozialdemokraten als PSOE-Ableger mit der Partido Socialista de las Islas Baleares (PSIB) und die etwas weiter links angesiedelte aber immer noch gesamtspanisch ausgerichteteIzquierda Unida (IU).

Die linken Regionalisten haben sich in dem Parteienverbund Partido Socialista de Mallorca-Entesa Nacionalista de Mallorca (PSM) organisiert. Zusammengeschlossen haben sich in dieser Liste die Partit Socialista de Mallorca, die Partit Socialista de les Illes, die PSM-Esquerra Nacionalista und die PSM-Nacionalistes de Mallorca.

Mit einer eigenen Liste treten auch die Grünen auf Mallorca an und die nennt sich Els Verds de les Illes.

Das Muster ist also klar und gibt es in dieser oder etwas einfacher strukturierten Form im Baskenland, in Katalonien, in Valencia, in Galizien usw. Wobei der Grad der Stärke der zentrifugalen Kräfte in einem proportionalen Verhältnis zur Zersplitterung der Parteienlandschaft steht. Denn umgekehrt gibt es in Kastilien oder der Extremadura, ja auch in Andalusien, keine oder nur sehr schwache regionale Parteien.

Und so sieht das Muster der spanischen Parteienlandschaft in diesem Kommunalwahlkampf sehr, sehr vereinfacht aus:

  • Zentralistische Rechte (Partido Popular)
  • Regionalistische Rechte (Basekenland: Partido Nacional Vasco (PNV), Katalonien: Convergencia i Unió (CiU)
  • Zentralistische gemäßigte Linke (Sozialdemokraten: PSOE und deren Ableger)
  • Zentralistische radikale Linke (Izquierda Unida)
  • Regionalistische Linke (Katalonien: Esquerra Republicana de Catalunya (ERC). Galicien: Bloque Nacionalista Galego (BNG), Baskenland: Eusko Alkartasuna (EA)
  • Regionalistische radikale Linke (Baskenland: Herri Batasuna
  • Grüne

Infos: Spanische Wikipedia