IT-Revolution zum Anfassen – Extremadura setzt auf Open Source

von Dirk Baranek am 16. April 2007

Die südspanische Region Extremadura ist weltweit Vorreiter beim Einsatz lizenzfreier Software. Die Verwaltung des Landes, der Kreise und Gemeinden, die Schulen, Universitäten und Bibliotheken – der gesamte staatliche Bereich wurde mit der Eigenentwicklung LinEx ausgestattet, einem angepassten Linux.

LinEx LogoDamit hat die Region an der portugiesischen Grenze aus einer Not eine Tugend gemacht. Denn die Extremadura ist nicht bekannt dafür, ein Ort wirtschaftlicher Innovation zu sein – ganz im Gegenteil. Kaum mit Industrie und wegen Geographie und Klima nur mit extensiver Landwirtschaft ausgestattet ist die Region als das Armenhaus Spaniens und eine der ärmsten Europas. Problem ist zudem die geringe Bevölkerungsdichte: gerade mal eine Million Einwohner leben auf einer Fläche, die größer ist als Nordrhein-Westfalen.

In den letzten Jahren geschah aber eine kleine Revolution. Man hat sich mit einer Kraftanstrengung aus beinahe vorindustriell anmutenden Verhältnissen direkt in das 21. Jahrhundert katapultiert – mit Linux. Geschätzte Ersparnis durch die Verwendung der rechtefreien, allerdings regional angepassten Software: ca. 100 Mio. EUR. Dieses Geld wurde investiert, fächendeckend und offensichtlich sorgfältig.

Erste Erfolge sind schon sichtbar. Heute stehen in den Schulen für je zwei Schüler ein PC zur Verfügung (EU-Durchschnitt 1 zu 8). Es wurden viele Nuevos Centros de Conocimiento (NCC), Neue Zentren des Wissens, eingerichtet. Diese Zentren wurden mit Computerräumen ausgestattet, um die alfabetización tecnológica in der gesamten Bevölkerung zu verankern. Die Extremadura ist heute die spanische Region mit der höchsten Dichte schneller Breitbandanschlüsse und die weltweit führende Region bei der Verwendung von Open-Source-Software. Und es wurden bereits viele in- und ausländische Besucher empfangen, die sich vor Ort informieren wollten, wie man auch ohne die Windows-Produkte eine veritable IT-Revolution in einer benachteiligten Region auslösen kann.

Als Logo für die Eigenentwicklung wählte man übrigens den Storch. Die Vögel nisten zu tausenden in den Dörfern und Kleinstädten mit ihren weiten Landschaften.

Das folgende Video, hier in englischer Sprache, fasst die bisherige Entwicklung recht anschaulich zusammen.

Hier auf Spanisch.

Quellen: Entre tuxes y pepinos, A la sombra del tomate
Link: Linex

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Eine IT-Revolution zum Anfassen | Modern Working System
05.12.08 at 22:40

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Horst Bressem 05.07.08 at 22:10

Hola, que tal ?

Das ist ja wirklich eine unglaubliche Geschichte !
Open-Source-Strategien in Extremadura weltspitze. Kaum zu glauben.
Für mich ein weiterer Beweis dafür, dass das Internet
weltweit Existenzmöglichkeiten schafft und Lebensqualität verbessert.
Es würde mich wirklich interessieren, wie der Entwicklungsstand dort heute aussieht ?
Als Spanien-Fan freue ich mich sehr, über Euren Blog aktuelle Nachrichten zu erhalten.
Muchas gracias !
Sinceramente Horst

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