Katalonien ab 2014 ein eigener Staat?

von Dirk Baranek am 26. August 2007

Die katalanischen Nationalisten der ERC legen nach. Ihr Chef Josep Lluís Carod-Rovira, der aktuell als Vizepräsident in der katalanischen Regionalregierung sitzt und zusammen mit den Sozialisten regiert, hält es für möglich, dass in Katalonien 2014 eine Abstimmung über die Unabhängigkeit stattfindet. In dieser sollen die Katalanen entscheiden, ob sie einen eigenen Staat bilden oder weiter zu Spanien gehören wollen. Das Jahr sei deshalb dafür prädestiniert, weil dann 300 Jahre früher die Region ihre staatliche Unabhängigkeit verloren habe. Im übrigen glaubt Carod, dass sich wahrscheinlich eher eine komplette Unabhängigkeit als ein Umbau Spaniens zu einem föderalen Staat erreichen lässt.

Im Moment haben es die Nationalisten einfach, die Zentralregierung anzugreifen, verweist doch diese selbst darauf, dass es Madrid ist, das an den punktuell kollabierenden Infrastrukturen Schuld ist. Die PSOE will zwar mehr am Mittelmeer investieren, aber aus der Hand geben möchte sie die Verantwortung für Flugverkehr, Schiene oder die Stromversorgung nicht. Das ist Wasser auf die Mühlen der zentrifugalen Kräfte, die mit dem bisher erreichten, zum Beispiel dem frisch reformierten Regionalstatut, nicht zufrieden sind. Wobei natürlich eine leicht egoistisch-populistische Karte gespielt wird, um die eigene Machtbasis bei den nächsten Wahlen zu vergrößern.

Dass es allerdings schwierig wird, die Katalanen von den Vorzügen einer Unabhängigkeit zu überzeugen, ist wohl auch Carod klar. Sprachen- und Fahnenstreit allein bringen es seiner Meinung nach nicht. Man wird wieder die alte Karte der wirtschaftlichen Ausbeutung spielen müssen…

La única táctica posible en democracia es la mayoría social democrática. En Cataluña, esta mayoría sólo será posible si el discurso nacional se renueva. Un discurso nacional sólo lingüístico o cultural no puede prosperar, sino que debemos reforzarlo con un discurso del bienestar.

Die in einer Demokratie einzig mögliche Taktik ist die einer sozialen demokratischen Mehrheit. In Katalonien ist diese Mehrheit möglich, wenn der nationale Diskurs erneuert wird. Ein nur linguistischer oder kultureller nationaler Diskurs kann nicht vorankommen, sondern man muss ihn mit einem Diskurs über den Wohlstand wieder stark machen.

Quelle: El País