Die Ernte des Diktators – das Vermögen der Familie Franco

von Dirk Baranek am 9. September 2007

Unter dem TitelLa cosecha del dictatodor veröffentlichte El País heute einen umfangreichen Artikel, in dem über das Vermögen der Familie Franco berichtet wird.

In den letzten Wochen waren die Nachfahren des Caudillo erneut in das Interesse der Öffentlichkeit geraten, als die Regionalregierung von Galicien mehrfach vergeblich versuchte, sich Zutritt zu einem Anwesen in Familienbesitz zu verschaffen. In diesem Fall handelt es um eine Landvilla in der Nähe von La Coruña, den Pazo de Meirás. Dort hatte der Diktator seine jährliche Sommerfrische verbracht und der Tatsache Rechnung getragen, dass er in Gallicien geboren und aufgewachsen war. Der Staat selbst hatte ihm das stattliche Anwesen geschenkt. Die Rechtmäßigkeit dieser Schenkung wird auch von der neuen links-nationalistischen Regionalregierung in Gallicien nicht bestritten, aber man möchte wissen, was in dem unter Denkmalschutz stehenden und teilweise öffentlich zugänglichen Gebäude passiert. Dagegen hatte sich die derzeitge Besitzerin, die Franco-Tochter Carmen Franco, mehrfach gewehrt, dann aber doch die Türen geöffnet.

Tatsächlich hat die Familie des Diktators, der 1936 gegen die gewählte demokratische Regierung einen Militärputsch anführte, nach dessen Ende 1939 sich als Jefe del Estado – Staatschef – installierte und das Land bis zu seinem Tod am 20. November 1975 regierte, vor allem mit Schlagzeilen in der Regenbogenpresse hervorgetan. Verheiratet war Franco mit Carmen Polo, die 1988 starb, und mit der er eine Tochter hatte. Diese heiratete in den verbliebenen spanischen Hochadel ein und eine Enkelin sogar in die Familie der Bourbonen. Der aus dieser Verbindung hervorgegangene Urenkel Luis Alfonso de Borbón ist sich nicht zu schade, sich als legitimer Anwärter auf den französischen Thron zu verstehen. Auch sonst macht die Schar der Enkel und Urenkel eher durch peinliche Aktionen Schlagzeilen, als durch berufliche Erfolge oder Akte menschlicher Größe. Von Bedauern über die Verbrechen der Diktatur auf jeden Fall keine Spur, eher Anzeichen von Bitterkeit, Revanchismus und Raffgier.

Denn die Familie ist sehr vermögend, wie in dem Artikel überzeugend dargestellt wird. Hauptsächlich besteht es aus einem umfangreichen Immobilienbesitz, dessen Wert natürlich angesichts des Immobilienbooms in Spaniens quasi explodiert ist. Insgesamt wird das Vermögen der Familie auf irgendetwas zwischen 300 und 500 Millionen EUR geschätzt. Verteilt auf 50 Unternehmen, aus denen man sich zumeist operativ rausgehalten hat, reicht das, um die diversen Eskapaden der Enkel und Urenkel zu finanzieren. Existenzielle Nöte sind nicht bekannt geworden. Das wird sich in der nahen Zukunft nicht ändern, denn auf einem Landgut in der Nähe von Madrid sollen 4.000 Wohnungen entstehen. Sicherlich ein erneuter Anlass, die Ernte des Diktators einzustreichen.

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03.19.08 at 18:41

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