Wer ist Mariano Rajoy Brey?

von Dirk Baranek am 11. September 2007

Mariano Rajoy Brey, so der vollständige Name, könnte ab nächsten Frühsommer der neue Ministerpräsident Spaniens sein. Gestern wurde er als Spitzenkandidat der konservativen Volkspartei für die Parlamentswahlen Ende März 2008 nominiert. Zurzeit hat die regierende PSOE von Ministerpräsident Zapatero zwar einen kleinen Vorsprung von drei bis vier Prozent in den Meinugsumfragen, aber die Wahl muss als relativ offen bezeichnet werden. Denn den Sozialisten brechen an einigen Fronten die Wähler weg: Parteiaustritte im Baskenland und Navarra sowie die gereizte Stimmung in Katalonien lassen Überraschungen durchaus im Bereich des Möglichen erscheinen.

Wer also ist Mariano Rajoy?

Zunächst mal für alle deutschen Nachrichtensprecher: “Rajoy” spricht man in verballhorntem Deutsch “Racheu” aus, das “ch” bitte kehlig wie im deutschen Wort “doch”.

Geboren wurde Rajoy im galicischen Santiago de Compostela am 27. März 1955, er wird bei der Wahl also vermutlich 53 Jahre alt sein. Aufgewachsen ist in Pontevedra in einer Familie mit gewissen Traditionen im nationalliberalen galicischen Bürgertum, war doch der Großvater einer der Schöpfer des Estatuto de Galicia und wurde in der Franco-Zeit als Professor aus dem Amt entfernt.

Mariano Rajoy ist Jurist und hat an der diesbezüglich äußerst renommierten Universität in Santiago studiert. Er machte im Justizwesen schnell Karriere und war mit 24 Jahren der jüngste Registrador de la Propiedad Spaniens – eine Art staatlicher Notar im Grundbuchamt.

Bereits 1981 wurde er Abgeordneter der konservativen Alianza Popular, damals unter der Führung des Ex-Franco-Ministers Manuel Fraga Iribarne, im zum ersten Mal gewählten Regionalparlament von Galicien und wurde gleich mit dem Posten eines Staatsekretärs für Verwaltung betraut.

1986 zog er als Abgeordneter in den Madrider Kongress ein, wurde 1988 Generalsekretär der AP in Galicien und 1989 in den Vorstand der neu gegründeten Partido Popular gewählt.

Bis 1996 gehörte er dem Madrider Parlament als Abgeordneter aus dem Wahlkreis Pontevedra an. Nach dem Wahlsieg von Aznar, der 1990 Fraga als Parteivorsitzenden abgelöst hatte, und dessen Wahl zum Ministerpräsidenten, wurde er sofort als Minister ins das Kabinett aufgenommen. Zunächst übernahm der das Ministerium für Öffentliche Verwaltung – Minsterio de Administraciones Públicas, um 1999 Minister für Bildung und Kultur zu werden.

Bei der Wahl 2000 war er Leiter des Wahlkampfes, der mit einem Triumph endete, denn die PP holte mit über 10 Millionen Stimmen die absolute Mehrheit. Inzwischen war er zum engen Vertrauten von Aznar aufgestiegen und wurde in der neuen Regierung nicht nur Ministro de la Presidencia – in Deutschland mit dem Kanzleramtsminister gleichzusetzen – sondern auch Vizepräsident der Regierung. 2001 übernahm er das Innenministerium. In den folgenden Jahren widmete er sich vor Allem dem Kampf gegen ETA. In seine Amtszeit fällt die Verabschiedung wichtiger Gesetze wie einem neuen Vereinsgesetz, ein restriktives Ausländergesetz, aber auch das Gesetz zur kontrollierten Abgabe alkoholischer Getränke.

2002 wechselte Rajoy wieder in den Moncloa-Palast, dem Sitz des Ministerpräsidenten, und unterstütze Aznar unter anderem als Regierungssprecher in allen wichtigen Fragen der folgende Jahre: das Irak-Engagement, der Schulterschluss mit US-Präsident Bush, die katastrophale Kommunikationspolitik bei dem galicischen Tankerunglück der Prestige usw..

2003 wurde er auf Vorschlag Aznars Generalsekretär der PP und Spitzenkandidat bei der Wahl im März 2004. Diese Wahl hat er verloren, denn Zapateros PSOE konnte nach den Attentaten von Madrid ihre Wähler komplett mobilisieren und fast eineinhalb Millionen Stimmen mehr für sich verbuchen.

Seit 2004 ist Mariano Rajoy Vorsitzender der PP und unbestrittener Führer der parlamentarischen Opposition.

Rajoy ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er gilt als humorvoll. Ein kleiner Sprachfehler, er lispelt etwas, hat ihm seine Karriere nicht verbaut.

In den nächsten Monaten wird Rajoy mit Programmen und Personen zeigen müssen, dass sein politisches Angebot die Spanier überzeugt. Da die Wirtschaft sehr gut läuft und alle Friktionen (z.B die exorbitant gestiegenen Immobilienpreise) der PP angelastet werden, wird man abwarten müssen, ob er mit seinen Sicherheitsthemen durchdringen wird. Wahrscheinlich wird der Wahlkampf auf eine Entscheidung zwischen Innen- und Sozialpolitik hinauslaufen.

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» Konservative in Nöten - Streit in der Partido Popular eskaliert - eSpanien - Politik, Kultur, Sprache
05.23.08 at 19:36

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florentina lobo fueyo 04.18.11 at 14:07

Sr Rajoy ,tanto Ud como su dignísimo antecesor y responsable de su puesta en marcha incluidas sus propias derrotas tras las declaraciones del Sr.de los bigotes afirmando de que España no podía pagar la deuda nos vemos nuevamente en el centro del huracán.Pueden felicitarse mutuamente pero tengan en cuenta que los españoles no somos tontos,Todos sabemos de que pie cojea cada cual y las urnas cantarán sus propias definiciones Todos tenemos.bien presente la nefasta oposición que ud hizo durante toda la legislatura,el no por el no para debilitar al GOBIERNO,SIN UNA PROPUESTA DE AYUDA.ESA ERA SU OBLIGACIÓN Y NO EL OBSESIONARSE POR LLEGAR A LA MONCLOA.UD NUNCA LLEGARÁ A DIOS GRACIAS.Tenga en cuenta que Zapatero está plenamente justificado para agotar la legislatura….luego nos veremos las caras SR.iluso

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