Nationalfeiertag auf Spanisch: Pfiffe für Zapatero, Faschisten in Barcelona und Straßenschlachten im Baskenland

von Dirk Baranek am 12. Oktober 2007

Heute ist Feiertag in Spanien, Nationalfeiertag, oder auch Día de la Hispanidad genannt. Wie berichtet hatten die Konservativen die Gelegenheit genutzt, um durch Apelle an die patriotischen Gefühle der Spanier die Stimmung in ihrem Sinne anzuheizen. Angeblich hatten die regierenden Sozialisten nicht genug getan, um die nationalen Symbole und die Monarchie als Staatsform zu verteidigen. Dieses Vorgehen ist aber sicherlich nicht allein der Grund, dass es heute in Spanien zu Ereignissen kam, die den eigentlich zu erwartenden Frieden störten.

Pfiffe für den Ministerpräsidenten

Während der offiziellen Staatszeremonie defilierten fast 5.000 Soldaten aller Waffengattungen in Madrid auf dem Paseo de Castellana. Anwesend waren die königliche Familie, fast vollständig das Kabinett, alle Regierungschefs der Regionen sowie Vertreter des Parlaments der Justiz usw. . Nur die Vertreter einiger regionaler Nationalistenparteien waren nicht erschienen, darunter die ERC, die BNG, die PNV und Nafao Bai. Fast zum Eklat wäre es gekommen, als Ministerpräsident Zapatero auf dem Podium erschien. Er musste ein Pfeifkonzert und Schmähungen aus dem anwesenden Publikum über sich ergehen lassen. Offensichtlich waren dies vor allem Nationalisten.

Barcelona: Faschisten verbrennen katalanische Fahne

In der katalanischen Hauptstadt spielte sich unterdessen ein Spektakel der anderen Art ab. Mitglieder neofaschister Gruppen versammelten und verbrannten am hellichten Tag die katalanische Fahne. In einem kurzen Video bei El País kann man sehen, dass auch in Spanien der als “Hitlergruß” bezeichnete ausgestreckte rechte Arm bei Rechtsradikalen großer Beliebtheit erfreut. Von polizeilichen Maßnahmen ist nichts zu sehen. Die Hassprediger gehören offensichtlich zu der rechten Gruppierung Adelante Cataluña.

San Sebastián: Straßenschlachten

Ein solches Spektakel hatten auch rechtsradikale Gruppen in der baskischen Hafenstadt San Sebstián angekündigt. Das wollte die hier gut organisierte, militante Linke auf keinen Fall zulassen und rief zur Gegendemonstration auf. Nach einem zunächst friedlich verlaufenen Konzert begannen militante Gruppen eine Straßenschlacht mit den Sicherheitskräften von der Ertzaintza. Die Ausenandersetzungen weiteten sich auf große Teile der Altstadt aus, die durch brennende Barrikaden lahmgelegt wurde.

Valencia: 1.000 Rechtsradikale marschieren

Auch in Valencia ist es zu einem rechtsradikalen Aufzug gekommen. Etwas 1.000 Personen waren dem Aufruf der neofaschistischen Partei España 2000 gefolgt und marschierten mitten durch die Stadt. Es wurden ausländerfeindliche Parolen gerufen. Außerdem wurden Fotos verbrannt. Es handelte sich dabei um Porträts des baskischen Regierungschefs Ibarretxe, des Vorsitzenden der katalanischen Nationalistenpartei ERC, Josep Lluis Carod-Rovira, sowie um diverse Blätter mit dem Symbol von ETA. Nach der Abschlusskundgebung wurde auf die Fahne geschworen und die Nationalhymne abgespielt.