Noch viele Symbole der Diktatur in der Öffentlichkeit

von Dirk Baranek am 14. Oktober 2007

Mit dem diese Woche endgültig verabschiedeten Gesetz zur historischen und politischen Abrechnung mit der Franco-Diktatur, dem Ley de Memoria Histórica, wir berichteten, beginnt jetzt eine lebhafte Diskussion in Spanien, welche letzten in der Öffentlichkeit vorhandenen franquistischen Symbole getilgt werden müssen. Denn das Entfernen von Denkmälern und Tafeln, das Ändern der Namen von Straßen und Plätzen sowie vielerlei anderer Zeichen ist die Folge aus dem Gesetz. Wie weit das gehen wird, wird die Zukunft erst zeigen müssen, aber dass Bedarf besteht, haben viele spanische Medien in den letzten Tagen mit Berichten und Fotostrecken nachgewiesen.

Ein Beispiel ist ein Bericht in El País heute, der sich mit dem Problematik in Galicien beschäftigt. Das ist insofern ein besonders drastischer Fall, weil in der Region im Nordwesten zwei Dinge zusammenkommen, die einer Entfernung der Franco-Symbole aus dem öffentlichen Raum offenbar entgegenstanden.

Zum einen war Francisco Franco Bahamonde Galicier. Seine Familie lebt bis heute dort. Dieser Umstand hat offensichtlich dazu geführt, dass die Diktatur dort besonders tiefe Spuren hinterlassen hat. Zum anderen wurde Galicien nach der Regionalisierung jahrelang von den Konservativen regiert, in Person eines ehemaligen Franco-Ministers als Regionalpräsident. Die Motivation seiner Regierung, Gedenktafeln, Straßennamen oder Denkmäler in Erinnerung an den Diktator sowie anderer Personen des Putsches zu entfernen, scheint gering gewesen zu sein.

In dem Bericht wird geschildert, dass es in Städten wie Ferrol oder A Coruña fast unmöglich ist, den Zeichen des Regimens im Alltag zu entkommen. So gibt es große Magistralen, wie die Avenida de Los Caídos, an die Gefallen – Auswuschs des protofaschistischen Totenkults-, oder die Avendida de General Sanjurjo, einer von Francos Mitstreitern beim Militärputsch.

Aus der Stadt A Coruña wird ein bizarres Beispiel beschrieben, das auch illustriert, welche Aufwand wohl betrieben werden muss, um das teilweise monumental-kitschige Brimborium wieder loszuwerden, mit dem sich der Caudillo feiern ließ. So befindet sich im Plenarsaal des Rathauses, in dem der Gemeinderat tagt, ein riesiges Relief, auf dem Franco in Siegerpose dargestellt ist, die Fahne in der Hand und umringt von seinen legendären maurischen Gardereitern.

Solche Szenen illustrieren, wie wichtig dieses Gesetz ist, um endlich dem Letzten klar zu machen, dass die Diktatur keines heroischen Erinnerns würdig ist. Ohne der Verbrechen zu gedenken, wird der Name des Generalissimo wohl bald in der Öffentlichkeit nicht mehr zu sehen sein.