Der Spanisch-Check: Gutenberg.de ziemlich mies …

von Dirk Baranek am 18. Oktober 2007

Das Projekt Gutenberg,de ist eine gute Sache. Die inzwischen vom Spiegel Verlag betreute Sammlung deutsprachiger Literatur stellt hunderte Werke bedeutender Schriftsteller gratis im Web zur Verfügung. Natürlich handelt es sich bei diesen Werken nur um solche, die inzwischen rechtefrei sind, weil das Urheberrecht auf Grund des lange zurückliegenden Ablebens des Autors verfallen ist. Weil also keine Lizenzgebühren anfallen, bleibt allein die Leistung, die Texte ins Web zu bringen, was bei ganzen Romanen natürlich auch einen erheblicher Aufwand darstellt.

Interessanterweise gibt es bei Gutenberg.de nicht nur Literatur deutschsprachiger Autoen zu lesen, sondern auch Übersetzungen. Dabei muss allerdings beachtet werden, dass auch die Übersetzung rechtefrei sein muss, da ja diese Leistung ebenfalls vom Urheberrecht geschützt ist.

Auf jeden Fall ist es doch einmal interessant zu prüfen, was man dort von den spanischen Klassikern findet. Das Ergebnis ist ernüchternd. Außer Miguel de Cervantes Saavedra mit seinem kompletten Don Quijote in der Übersetzung von Ludwig Braunfels und einer Sammlung seiner Erzählungen gibt es rein gar nicht. Nichts!

Vor allem die Autoren des Siglo de Oro – Francisco de Quevedo, Luis de Góngora, Baltasar Gracián, Lope de Vega oder Pedro Calderón de la Barca – hätten allerdings besseres verdient. Übersetzungen hat es schon sehr früh gegeben. Ähnliches gilt für die Autoren vom Ende des 19. Jahrhunderts wie Benito Perez Galdós oder Clarín (Leopoldo Alas). Ganz zu schweigen von den Schriftstellern der 98er Generation wie Unamuno, Ortega y Gasset, den Machados oder den fantastischen, völlig abgedrehten Valle-Inclán.

Fazit: Gutenberg.de ist ein kleines aber gutes Beispiel, dass die spanische Literatur außerhalb der spanischsprachigen Welt irgendwie nicht existiert…