Die PP kann sich nicht von Franco lösen …

von Dirk Baranek am 10. November 2007

Wie kompliziert die Seelenlage in Bezug auf die historische Entwicklung des spanisches Staates seit dem Ende des Franquismus bei den Konservativen der PP noch immer ist, illustriert ein aktuelles Beispiel aus der andalusischen Provinz. In der in der Bucht von Cádiz gelegenen Hafenstadt Puerto de Santa María gab es gestern eine Abstimmung im Gemeinderat über die Frage, ob eine 1963 dem Diktator Franco zugesprochene Ehrensauszeichnung der Stadt zurückgenommen werden soll. Wie berichtet, ist mit der Verabschiedung des Ley de Memoria in ganz Spanien eine Diskussion entbrannt, welche Symbole in der Öffentlichkeit noch die Francozeit verherrlichen oder aus ihr stammen. Der Antrag auf Aberkennung war von der linken Opposition in Puerto de Santa María eingebracht worden. Die PP lehnte den Antrag mit ihrer absoluten Mehrheit ab.

Diese Entscheidung ist an sich schon skandalös, aber noch mehr hat die PSOE und IU die Umstände empört, wie die Entscheidung begründet wurde. So sagte die PP-Abgeordnete Patricia Ybarra:

Si nosotros le diéramos la medalla de oro al Rey en este momento, y dentro de 25 años… si, esperemos, el hombre los vive, ese señor acaba en el exilio, ¿qué vamos a hacer, quitársela?… porque él tampoco ha sido elegido.

Wenn wir dem König die Goldmedaille in diesem Moment geben würde, und in 25 Jahren … ja, der wird das erleben …. dieser Herr im Exil endet, was werden wir dann machen? Ihm sie wegnehmen? … Denn er wurde doch auch nicht gewählt.

Für diese Äußerung soll Ybarra sich jetzt entschuldigen und die Parteispitze der PP gleich mit, so die Forderung der Oppositionspolitiker. Denn hier sei unzulässigerweise der König mit Franco verglichen worden. Das ist in gewissem Maße eine Retorukutsche, denn in den letzten Wochen hatte die PP mehrfach diverse Gelegenheiten genutzt, um die Regierung als illoyal gegenüber der Monarchie zu verdächtigen und ihr mangelnden Patriotismus vorgeworfen.

Der ganz Vorgang verdeutlicht indes mehrere interessante Aspekte des fragilen Geschichtsverständnisses der PP-Basis.

Zunächst: Der König wurde zwar nicht direkt gewählt, aber mit der Volksabstimmung über die Verfassung von 1975 wurde natürlich seine Position demokratisch legitimiert. Indem die PP-Abgeordnete, sicherlich bei einer mehr oder weniger spontanen Rede, behauptet, er sei nie gewählt worden, leitet sie zudem Wasser auf die Mühlen der radikalen Anti-Monarchisten (meist regionale Separatisten). Diese sprechen dem spanischen Staat in seiner aktuellen Verfassung stets die Legitimation mit dem Argument ab, der König sei von der Diktatur installiert worden. Als Person sicherlich, aber nicht als Institution.

Der Blick in die Seele der PP-Basis zeigt also, dass man dort offenbar fürchtet, durch eine wirklich konsequente Distanzierung von Franco einen Teil seiner Identität aufzugeben. So nach dem Motto: OK, die Demokratie war mit Francos Tod unvermeidbar, aber vorher war das doch alles richtig und das beste für die Nation. Offenbar sieht man sich schon als historischer Verlierer in die Geschichtsbücher eingehen.

Quelle: El País