Undiplomatische Wortgefechte beim Iberoamerika-Gipfel

von Dirk Baranek am 11. November 2007

Bei der gestrigen Plenarsitzung des 17. Cumbre Iberoamericana, der seit drei Tagen in der chilenischen Hauptstadt Santiago de Chile stattfindet, hat es ein hässliches Wortgefecht zwischen dem spanischen König Juan Carlos und dem venezolanischen Präsidenten Hugo Chávez gegeben.

Bereits zu Beginn des Treffens der Regierungschefs der spanischsprachigen Welt hatte Chávez den spanischen Ex-Ministerpräsidenten Aznar als “Faschisten” bezeichnet und der Mitwirkung an einem fehlgeschlagenen Militärputsch 2002 gegen ihn beschuldigt.

Während eines Wortbeitrags des spanischen Regierungschefs Zapatero, in dem dieser sich gegen diese Unterstellung verwahrte und Aznar in Schutz nahm, denn dieser sei vom spanischen Volk gewählt worden, fiel ihm Chávez ins Wort und wiederholte die Vorwürfe. Da er keine Ruhe geben wollte, der venezolanische Machthaber ist berüchtigt für seine ausschweifenden Reden, wandte sich der neben Zapatero sitzende König direkt an Chávez und sagte mit lauter Stimme: ¿Por qué no te callas?, was recht heftig ist. Ins Deutsche übersetzt: Warum hältst du nicht dein Maul?

Das brachte Chávez noch mehr auf die Palme und Zapatero konnte erst nach einer Intervention der Gipfelvorsitzenden, der chilenischen Präsidentin Michele Bachelet, seinen Beitrag fortsetzen.

Als kurz darauf auch der Präsident Nicaraguas Daniel Ortega die Rolle spanischer Unternehmen in Lateinamerika kritisierte, wurde es dem König endgültig zuviel und er verließ den Saal. Bei der Schlussveranstaltung kam er dann wieder zurück.

Von der sonst üblichen Harmonie war dieser Gipfel jedenfalls weit entfernt. Dazu trug auch ein offen ausgetragener Wirtschaftskonflikt zwischen Uruguay und Argentinien bei.

Quelle & Video der Szene: El País