Nationalhymne bleibt ohne Text

von Dirk Baranek am 17. Januar 2008

Das olympische Komitee des spanischen Sports hatte einen Traum. Die in in den letzten Jahrzehnten zunehmend erfolgreicheren Athleten sollten im Fall einer gewonnen Goldmedaille bei den Spielen in Peking nicht mehr stumm der Nationalhymne lauschen, sondern endlich wie viele andere Nationen auch, aus voller Brust einen Text singen.

Einen solchen Text hat ja die spanische Hymne bekanntlich nicht. Immer wieder hatte es zwar Vorschläge gegeben, aber keiner konnte sich durchsetzen, weil er zu zeitbezogen war. Das COE (Comité Olimpico Español) hatte daher einen neuen Anlauf gestartet und zusammen mit einer großen Radiostation einen Wettbewerb ausgerufen.

Letzte Woche wurde unter beachtlichem Medienecho der Gewinner bekanntgegeben, der aus den 7.000 Einsendungen von einer Jury ausgewählt wurde. Der Text eines Arbeitslosen aus Madrid steht seither in der Diskussion – und fiel gnadenlos durch. Gestern hat das COE bekannt gegeben, dass das Projekt beerdigt wird. Es wird keine Diskussion oder gar Abstimmung im Parlament geben.

Die Kommentatoren sind sich einig: Die Zeit der Nationalhymnen und deren Pathos ist auch in Spanien vorbei. Einfach nicht mehr mehrheitsfähig, vom einem lagerübergreifenden Konsens ganz zu schweigen. So wird es also beim chunda-chunda bleiben – dem lautmalerischen Mitbrummen des “Marcha Real”.

Quelle: El País