ETA-Front bröckelt – Aussteiger werden rausgeschmissen

von Dirk Baranek am 22. Februar 2008

Gestern veröffentliche die baskische Zeitung GARA, das publizistische SAprachroh rder separatistischen baskischen Linken, ein seltenes Dokument aus dem ETA-Umfeld. Die Gefangenenhilfsorganisation Colectivo de Presos Políticos Vascos (EPPK), die inoffizielle Organisation der wegen terroristischer Straftaten einsitzenden ETA-Mitglieder, verkündete in einem Brief den Ausschluss von zwei bisherigen Mitgliedern: José Luis Álvarez Santacristina, genannt Txelis, und Kepa Pikabea.

Pikant ist an dem Dokument, dass die beiden schon im November in einem Brief an die Organisation ihren Austritt verkündet hatten, den die Zeitung Noticias de Gipuzkoa heute veröffentlichte. Als Grund nannten die beiden wegen schwerer Straftaten zu langjährigen Haftstrafen verurteilten “historischen Führer”, dass ETA den Waffenstillstand ohne Not aufgekündigt habe und dass militante Aktionen den Weg zu größerer Autonomie der Basken eher behindern als fördern. Auch stellten sie fest, dass die baskische Bevölkerung der Gewalt müde sei und dass die aktuelle ETA-Führung bei der Entscheidung, den Waffenstillstand zu beenden, die etwa 700 Häftlinge übergangen habe.

Analysten zeigten sich nicht erstaunt über den Briefwechsel und sehen ihn als weiteren Beleg dafür, dass die Gefangenen sich durch die Fortsetzung militanter Aktion an den Rand gedrängt sehen. Ihre Hoffnung, vielleicht durch eine friedliche Einigung eine Art Amnstie zu erreichen, sei enttäuscht worden. Deshalb sei die harte Antwort der ETA der Versuch, die Reihen wieder zu schließen …

Quelle: El Periódico