Endspurt vor den Wahlen am Sonntag

von Dirk Baranek am 6. März 2008

In drei Tagen wird in Spanien ein neues Parlament gewählt. Die letzten Großkundgebungen finden morgen statt, da am Samstag wegen der jornada de reflexión (Tag der Besinnung) der Wahlkampf ruht.

Verboten ist fünf Tage vor der Wahl seit 1985 das Publizieren von Meinungsumfragen in der Presse, was die Tageszeitung El Priodico de Catalunya zu einem kleinen Coup nutzte. indem auf der ersten Seite nur ein Link publiziert wurde, mit dem man zu einer Umfrage einer Zeitung aus Andorra kommt… Hier die Nachricht über diesen „Skandal“ bei adn.

Auch diese Umfrage sieht die PSOE mit 3,5 Prozent vor der PP.
Fazit des Wahlkampfes: Er war heftig und hat den auch ideologisch geführten Streit zwischen Links und Rechts verschärft. Während Zapatero eher mit einer Schmusekampagne auf die Errungenschaften seiner Regierungszeit verwies, hat sich Herausforderer Rajoy eher in die Ecke des Miesmachers begeben. Er zieh die PSOE massiv der Lüge, sah Verrat am Vaterland in der ETA-Frage und betonte die drohenden Wolken am Konjunkturhimmel. Inwieweit diese Strategie die Wähler beeindruckte, wird sich erst am Sonntag Abend rausstellen.

Insgesamt hat sich der Wahlkampf sehr auf das Duell zwischen diesen beiden Personen zugespitzt. Die kleineren Parteien, neben der Vereinigten Linken auch die regionalen Parteien, konnten kaum mit ihren Botschaften durchdringen.

Wenn es bei den Vorhersagen bleibt, wird die PSOE mit Unterstützung der kleineren Parteien weiterregieren wie bisher. Die Izquierda Unida hat allerdings bereits ein 20-Punkte-Programm präsentiert, das bei einer Unterstützung umgesetzt werden soll. Die Lockerung des Abtreibungsrechts sind da ebenso dabei wie eine neues Konkordat mit dem Vatikan und eine Reform des Wahlrechts. Nach Meinung der IU benachteiligt dieses kleine, in ganz Spanien kandidierende Parteien gegenüber den nur regional vertretenen, für die es Sonderregelungen gibt. So habe die IU in Bilbao mit 102.000 Stimmen keine Abgeordneten erhalten, die dortige Eusko Alkartasuna mit nur 80.000 habe aber einen erhalten …

Der Wahlkampf selbst hat vor allem auf der Straße und im TV stattgefunden. Besonders spektuläre Aktionen im Internet sind nicht bekannt geworden. Eine Web-2.0-Wahlkampf war dies nicht. Gleichwohl haben alle Parteien neben umfangreichen Websites eigene YouTube-Channels eingerichtet.

Hier dann also noch ein ziemlich kitschiges Video mit einem Lied für Zapatero, in dem sich diverse nationale Musik- und Show-Größen als ZP-Fans bekennen: Defender la Alegria – Die Freude verteidigen.

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