Separatisten auf der Verliererstraße …

von Dirk Baranek am 10. März 2008

Wenn man die Berichterstattung der nationalen und der internationalen Medien verfolgt, bekommt man schnell den Eindruck, Spanien sei ein zerrissener Staat. Bilder einer von bösen kastilischen Zentralisten bedrängten, nach regionaler Autonomie strebenden, freiheitsliebendenden Katalanen, Basken, Valencianer und Galicier entstehen vor dem geistigen Auge. Es wird suggeriert, als ob diese Bürger von einem im Kern faschistischen Repressionsstaat, der sich ein scheindemokratisches Mäntelchen umhängt, an der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts der Völker mit Gewalt gehindert werden.

Dieses Bild ist falsch, komplett falsch.

Die Wahlergebnisse für die zentrifugalen Kräfte in den Regionen sind katastrophal. Gut, die militanten Basken konnten sich gar nicht der Wahl stellen, weil ihre derzeitige Scheinvertretung ANV von den Wahlen ausgeschlossen war. Aber man muss jedem demokratischen Staat zubilligen, dass Feinde der Toleranz und des demokratischen Prozesses nicht zugelassen werden.

Staat Katalonien? Will kein Mensch …

Symbolisch für die wachsende Ungeduld der Spanier mit den regionalen Selbstdarstellern ist die Situation in Katalonien. Hier die Stimmenergebnisse der Provinz Barcelona (in Klammern 2004):

PSOE 1.295.940 (1.268.028)
CiU 544.000 (587.000)
PP 466.000 (485.000)
ERC 183.500 (429.000)
ICV-EUIA 154.000 (198.000)

Vor allem die erdrutschartigen Verluste der ERC, die zusammen mit der Katalanischen PSOE und der ICV in einer Dreiparteienkoalition die katalanische Regierung stellen, zeigen, dass die Katalanen offensichtlich die Nase voll haben von der ewigen Draufsattelei profilierungssüchtiger Provinzpolitiker. Insbesondere der ERC-Vorsitzende Josep Lluís Carod-Rovira hat sich mit einer radikalen Sprache und der unverhohlenen Drohung mit einem katalanischen Nationalstaat aller Sympathien beraubt.

Die Katalanen wollen regionale Autonomie, damit vor Ort entschieden werden kann, was zu entscheiden ist. Alles, was darüber hinaus geht, ist für die Wähler offenbar kontraproduktiv und nicht in ihrem Interesse. Ein Staat Katalonien ist mit dem gestrigen Ergebnis für die nächsten 20 Jahre vom Tisch gewischt worden.

Basken genervt…

Auch im so von regionalen Konflikten geschütteltem Baskenland sind die Bürger genervt von den separatistischen Scharfmachern. Während die radikale Linke nicht antreten durfte und zum Wahlboykott aufgerufen hatte, haben die bürgerlich Nationalisten der PNV mit Stimmeneinbußen von fast 25 Prozent zu kämpfen. Bei einer Wahlenthaltung von 35 Prozent geht auch das Sprachrohr der Separatisten GARA von höchstens 100.000 Stimmen für die ETA-Partei ANV aus. Verbittert wird festgestellt: Die españolistas haben gegenüber den abertzales einen erheblichen Vorsprung. Interessant übrigens der Hinweis in Gara, dass das Attentat von Mondragón nach Meinung vieler der PSOE viele Sympathien eingebracht habe. Kann man als versteckten Hinweis an ETA deuten: Eure Aktionen bringen rein gar nichts.

Galicien, Navarra, Asturien. Balearen, Kanaren – Regionalparteien verlieren Stimmen

Auch in den anderen Regionen, in denen es vor allem medienstarke Autonomieparteien gibt, wurde das ewige Spielen mit der antizentralistischen Karte von den Wählern eher abgestraft. Offenbar können es die Bürger einfach nicht mehr hören und sind gelangweilt von symbolischer Poltik wie Fahnen- oder Sprachenstreit. Die wollen offensichtlich handfeste Ergebnisse im Sozialsystem, bei der Bildung und in der Wirtschaft. Da haben die regionalen Nationalisten meistens wenig bis gar nichts zu bieten. Nur das ewige Schimpfen auf die in Madrid scheint bei den gut informierten spanischen Wählern einfach nicht zu verfangen.

Quelle: Interaktive Karte mit regionalen Ergebnissen bei La Vanguardia

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» Intellektuellenstreit um Sprachpolitik der Regionen geht weiter - eSpanien - Politik, Kultur, Sprache
07.07.08 at 18:41

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