Stress in Galicien: Anwohner protestieren gegen Umsiedlung von Roma

von Dirk Baranek am 27. März 2008

Das alltägliche Zusammenleben von spanischen Roma – spanisch: gitanos – mit der Mehrheitsgesellschaft (den payos) ist nach wie vor von starken Vorurteilen und schwelenden Konflikten geprägt, trotz aller Zigeunerromatik in der Populärkultur. In den letzten Wochen haben diese Gegensätze in einige Städten in Galicien zu regelrechten Aufständen von Anwohnern geführt. Diese wollen durch Demonstrationen, die teilweise mit Barrikadenbau und tätlichen Angriffen auf Kommunalpolitker endeten, verhindern, dass vereinzelt Roma-Familien in ihren Wohnvierteln einquartiert werden.

Diese relojamientos (Umsiedlungen) werden von den Kommunen durchgeführt, um endlich die teilweise verheerenden Zustände in den Hüttensiedlungen anzugehen, in denen bis heute viele Roma leben. Diese chabolas stehen meist auf öffentlichem Grund und Boden, wurde jahrzehntelang achselzuckend zur Kenntnis genommen und stehen oft zu Recht in dem Ruf, regelrechte Umschlagplätze für den Drogenhandel zu sein. Wie so oft in der Vergangenheit drängt die gesellschaftliche Ächtung der Roma und die daraus folgenden wirtschaftlichen Problemen diese Volksgruppe in die Kriminalität. Auch aus Andalusien werden Umsiedlungen berichtet, gegen die sich die chabolistas zunehmend zur Wehr setzen.

Durch den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung gehen die Kommunen in Galicien meist im Zuge von Infrastrukturprojekten vermehrt dazu über, die chabolas zu räumen und den Familien Wohnungen in Neubausiedlungen anzubieten. Gegen diese Politik protestieren nun die Anwohner in diesen Siedlungen, die natürlich öffentlich keinen Ablehnung gegenüber die Roma als solche äußern, sondern angeblich nur vor der Drogenkriminalität warnen.

Beispiel die galicische Großstadt A Coruña. Dort leben etwa 500 Roma in der Hüttensiedlung Penamoa. Diese soll wegen des Baus einer Straße verschwinden. Noch ist völlig unklar, was mit den Familien geschehen soll, aber allein ein Gerücht, einige von ihnen könnten in der Neubausiedlung Novo Mesoiro eine Wohnung erhalten, trieb deren Bewohner auf die Straße. Inzwischen sah sich der Bürgermeister der Stadt sogar gezwungen, in einem Brief an alle Haushalte zu verkünden, dass man nie daran gedacht habe, noch in der Zukunft planen werde, an Personen procedente de asentamientos chabolistas (stammend aus Hüttensiedlungen) Wohnungen zu vergeben. Für den 4. April haben die Bewohner zu einer Großdemonstration aufgerufen, die unter dem Motto No a la droga! – Nein zur Droge! – stehen wird.

Die Regionalregierung, einer Koaltion aus linken Nationalisten und der galicischen PSOE versucht unterdessen, neue Vorschläge zu erarbeiten, wie mit den Roma-Familien verfahren werden könnte. Eine Idee sieht vor, diese zunächst in einer Art Reintegrationscamp mit starker Polizeipräsenz auf die bevorstehende Umsiedlung vorzubereiten. Die Roma reagieren auf diese Strategie mit einer eigenen: sie verlassen Galicien …

In diesem Video Aufnahmen von der Demonstration in La Coruña vor drei Tagen

Quellen: Voz de Galicia, El País

Siehe auch diesen Artikel: Institut legt Studie zur Situation der spanischen Roma vor