Das baskische Labyrinth: Der Park mit dem falschen Namen

von Dirk Baranek am 6. Juni 2008

In der baskischen Stadt Hernani wurden vorgestern Nacht in einem kleinen Park Handwerker unter massivem Polizeischutz tätig. Die brisante Aufgabe: Entfernung von Schildern. Die hatten es allerdings in sich, denn es handelte sich um Informationstafeln, die den Spaziergänger über die Identität des Namensgebers der Grünanlage aufklärten. José Manuel Ariztimuño auch genannt Pana (= der Bäcker) kam nämlich 1981 bei einer Schießerei mit der Polizei ums Leben. Der damals 25-Jährige war Mitglied der ETA und wurde schon ein Jahr nach seinem Tod mit diesem Park der Nachwelt ehrend  in Erinnerung gehalten. Beschossen hatte das der damalige, von linken Nationalisten beherrschte Gemeinderat.

Mit der öffentlichen Ehrung eines nachgewiesenen Mitglied der militanten Separatisten machte nach langen Querelen erst letzte Woche das höchste baskische Gericht Schluss. Es befahl die Entfernung nach 26 Jahren, denn die Stadtverwaltung weigerte sich bis zuletzt, gemäß dem vom baskischen Regionalparlament unter Führung der konservativen Nationalisten der PNV beschlossenen Plan de Paz y Convivencia (Plan des Friedens und des Zusammenlebens) zu handeln. Der sieht die Entfernung aller Schilder vor, die dem unter ETA-Anhängern so verbreiteten Todes- und Märtyrerkult huldigen. Die damit ausgedrückte Verherrlichung des Terrorismus und fgleichzeitige Verhöhnung der Opfer der ETA-Gewalt sollen aus der Öffentlichkeit verschwinden.

Sowohl die PNV als auch die baskische PSOE (PSE) sowie die PP begrüßten die nächtliche Aktion, die ohne Zwischenfälle verlief.  Kritisch äußerten sich die katalanischen Republikaner der ERC, die von einer Doppelmoral angesichts der nach wie vorhandenen Denkmäler des Franquismus sprachen. Die radikale baskische Linke – Askatasuna – allerdings polterte heftig, mal wieder in völliger Verkennung der tätsächlichen Vorgänge. Ein Zitat:

En los mismos días en que retira placas y monolitos que homenajean a ciudadanos vascos muertos por la represión, el PNV homenajea a una Guardia Civil que ha matado a ciudadanos vascos y que no han traído a este pueblo más que opresión, dolor y tortura.

In den gleichen Tagen, in denen Schilder und Denkmäler entfernt werden, die durch die Repression ermordete baskische Bürger ehren, feiert die PNV einen Beamten der Guardia Civil, der baskische Bürger umgebracht hat und  diesem Volk nur Unterdrückung, Schmerz und Folter gebracht hat.“

Damit spielen die Verfasser zynisch auf die Feierlichkeiten an, mit denen die gesamte baskische Poltik sich von dem letzten ETA-Opfer verabschiedete, einem jüngst bei einem Bombenanschlag zu Tode gekommen Polizisten.

Quelle: Gara