Seit 40 Jahren auf dem militanten Weg – ETA damals und heute

von Dirk Baranek am 8. Juni 2008

Es gab in dieser Woche eine Nachricht, die vielleicht die Dimension verdeutlich, die die Aktionen der militanten baskischen Untergrundorganisation ETA und ihrer Anhänger in spanischen Öffentlichkeit haben. Es ging dabei um den wütenden Demonstranten, der einem sozialdemokratischen Abgeordneten beim Verlassen des Gemeinderats einen Faustschlag in dessen Gesicht versetzte. Abgesehen von den skandalösen Umstand, dass in vielen Kleinstädten des Baskenlandes für die demokratischen Parteien die politische Arbeit in einem Klima alltäglicher Bedrohung und Einschüchterung nur unter Gefahr von Leib und Leben möglich ist, machte die Person des Schlägers, der jetzt ermittelt und verhaftet wurde, die ungebrochene Kontinuität des Terrors deutlich.

Es handelte sich dabei um einen Mann Mitte Vierzig, der allerdings schon einmal wegen Beteiligung an ETA-Aktionen eine langjährige Haftstrafe verbüßt hatte. Etwa 10 Jahre hat er im Gefängnis gesessen und damit die Hälfte seiner Haftstrafe verbüßt, zu der ihn ein Gericht Mitte der 80er verurteilt hatte. Ihm konnte damals die Beteiligung an einer Tat nachgewiesen werden, bei deren Brutalität sich wohl selbst Mitglieder der deutschen RAF angewidert abgedreht hätten. Vier Täter hatten dabei aus mit Benzin gefüllten Flaschen angefertigte Brandsätze  gegen eine Begegnungstätte der PSOE geschleudert. In dieser Art Bar befanden sich zu dem Zeitpunkt 15 Menschen. Zwei davon starben, es gab mehrere Schwerverletzte.

Wie kann es zu solchen schrecklichen Aktionen kommen, denn zu dem Zeitpunkt war ja die Diktatur bereits lange vobei und die teilweise Autonomie der Basken beschlossene Sache? Das alles lässt sich nur aus der Geschichte der Organisation selbst begreifen, denn die Illegalen leben bis heute in dieser Zeitschleife. Für sie hat die Dikatatur, gegen die ETA 1962 gegründet wurde, nie aufgehört zu existieren. Sie hat vielleicht nur ihr Mäntelchen gewechselt, aber im Kern wird der spanische Staat weiter als Besatzer begriffen, der den Basken das Recht auf politische Selbstbestimmung vorenthält.

Tatsache ist allerdings: ETA war der Hauptfeind des franquistischen Unterdrückungsapparats und hat sich nur wegen dessen Brutalität auf den militanten Weg begeben. Das erste Attentat wurde vor ziemlich genau 40 Jahren begangen. Am 7. Juni 1968 wurde der Polizist José Ángel Pardinez Alcay bei einer Routinekontrolle auf einer Fernstraße von den Insassen eines Autos erschossen. Er gilt als das erste Opfer von ETA, auf dessen Liste inzwischen fast 900 weitere stehen. In Zeiten der Diktatur lösten diese noch klammheimliche Freude bei den demokratischen Parteien aus, vor allem als es ETA 1972 gelang mit dem General Luis Carrero Blanco den von Franco designierten Nachfolger mit seinem Auto in die LUft zub sprengen. Das war das Fanal des Anfangs vom Ende der Diktatur, die von keiner Organisation, abgesehen von der GRAPO so herausgefordert wurde.

Warum hat aber ETA nach Francos Tod nicht die Waffen vergraben? Zumal ja viele wichtige Forderungen umgesetzt wurden? Es ist eine Mischung aus Revolutionspathos, Märtyrertum und Heldenverehrung. Dazu kommen handfeste politische Gründe, denn ETA ist eine kommunistische Organisation.  Deshalb ist das konservative baskische Großbürgertum, das sich in der PNV organisiert einer der Hauptfeinde. ETA bleibt gefangen in politischen Vorstellungen der Vergangenheit. Vielleicht auch psychologische Konsequenz des Lebens im Untergrund.