Sprachenpolitik: Das Galicische bleibt auf der Strecke …

von Dirk Baranek am 26. Juni 2008

Eine der von der spanischen Verfassung genannte Regionalsprache ist das Galicische. Diese grob gesagt an der Schnittstelle zwischen Kastilischem und Portugiesischem sich bewegende romanische Sprache wird vor allem in den ländlichen Gebieten der in der nordwestlichen Ecke der Halbinsel gelegenen Region gesprochen. Wie es um die aktuelle Situation dieser veritablen Sprache bestellt ist, verdeutlicht ein zurzeit Schlagzeilen machender Vorgang aus der Welt der Wirtschaft.

Ein Mitarbeiter einer Werft aus der galicischen Hafenstadt Ferrol hatte dabei eine E-Mail auf Galicisch an eine Madrider Kollegin geschrieben. Die hatte wohl keine Lust, sich damit auseinanderzusetzen und schrieb nach mehrmaligem Hin und Her: El resto de su escrito no sé si se lo escribe su hijo de dos años o es algún dialecto con el que hablan ustedes en su aldea – Vom Rest Ihres Schreibens weiß ich nicht, ob es Ihr zwei Jahre alter Sohn geschrieben hat oder ob es der Dialekt ist, den Sie in Ihrem Dorf sprechen.

Die Angestellte des Schiffsausrüsters hatte das gesagt, was wohl viele Spanier denken und selbst die Galicier verinnerlicht haben: Die Benutzung ihrer Sprache ist der perfekte Beweis, ein Dörfler und Hinterwäldler zu sein. Denn schon immer, so führt ein Artikel in Público aus, war das kastilische Spanisch die Sprache der Stadteliten, der Verwaltung, der Macht. Daran hat sich bis heute nur wenig geändert und die Zahl der Sprecher sinkt weiter. Vor allem bei den Jungen hat sie sich in den letzten 20 Jahren mehr als halbiert. Wer Karriere machen will in der Wirtschaft, der Verwaltng oder der Justiz, sollte besser Kastilisch lernen und es seinen Kinder ebenfalls beibringen.

Diese Entwicklung verläuft also teilweise automatisch, ist aber auch der Schulpolitik der konservativen Regionalregierung geschuldet, die erst 2005 abgewählt werden konnte. Seitdem versucht die Koalition aus PSOE und galicischen Nationalisten gegenzusteuern. In den Schulen werden jetzt beide Sprachen je zur Hälfte zum Zuge kommen. Ob damit eine Imagewandlung gelingen wird, bleibt abzuwarten.

Quelle: La Voz de Galicia