Wer ist eigentlich Kanare?

von Dirk Baranek am 2. Juli 2008

Antonio Cubillo war einmal ein einflussreicher Mann und ist überzeugter kanarischer Nationalist. Der 78-Jährige begann schon in seiner Studentenzeit sich mit dem Franco-Regime anzulegen und gründete als einer der ersten ein Anwaltsbüro für Arbeiter. 1964 hob er die Bewegung für Selbstbestimmung und Autonomie des kanarischen Archipels – Movimiento por la Autodeterminación e Independencia del Archipiélago Canario (MPAIAC) aus der Taufe, die sogar einmal eine Terrororganisation war und dessen Generalsekretär er bis heute ist. Sogar eine Splitterpartei führt er noch an, den Congreso Nacional de Canarias.

Berühmtheit erlangte Cubillo, als er 1978 im algerischen Exil nur knapp einem Anschlag entging, den wahrscheinlich spanische Geheimdienste ausführten. Auf jeden Fall verurteilte 2003 das höchste Gericht den spanischen Staat zur Zahlung von 150.000 Euro Schmerzensgeld.

Gestern wurde bekannt, dass Cubillo, der auch viele Bücher über die Sprache der kanarischen Ureinwohner, das so genannte guanche, das im 18. Jahhundert ausstarb, publiziert hat, einen Brief an die UNO geschrieben hat. Genauer gesagt an die Abteilung Dekolonialisierung. In dem Schreiben fordert Cubillo Maßnahmen der UNO, die dafür sorgen sollen, dass die Kanaren bis 2010 dekolonialisiert werden.

Ein weiterer Gag eines hartgesottenen Nationalisten könnte man meinen. Interessant daran ist seine Sicht der Dinge auf die aktuelle Bevölkerung, denn die Frage stellt sich: Wer ist eigentlich Kanare? Cubillo kommt da bei offiziell zwei Millionen Einwohnern zu folgenden Daten:

  • 500.000 Spanier
  • 350.000 Deutsche
  • 300.000 Engländer
  • 100.000 andere Europäer
  • 150.000 aus Amerika, Afrika und Asien
  • 800.000 „Kanaren“

Bei einer Entscheidung über den Status der Kanaren fordert er, nur das „Blutsrecht“ zuzulassen und nicht das „Residenzrecht“.

Ja, die Nationalisten haben es nicht ganz einfach in der globalisierten Welt mit ihren Vorstellungen von vorgestern ihre Visionen Wirklichkeit werden zu lassen. Offenbar muss man auf rassistische Denkmuster zurückgreifen, um das Rad der Geschichte zurückzudrehen. Das ist im Baskenland übrigens keinen Deut anders. Auch dort sollen im Laufe des 20. Jahrhunderts eingewanderte Spanier, wenn es nach den Vorstellungen der Radikalen ginge, ganz verschwinden oder politisch entrechtet werden. Wer kein Baskisch spricht ist kein Baske – so einfach ist das.