Krawattenstreit im Parlament

von Dirk Baranek am 4. Juli 2008

Sagen wir es mal so: Die Kleiderregeln im offziellen spanischen Geschäfts- und Politleben sind ziemlich konventionell. Zwar ist weiches Leder an den Füßen und feiner Zwirn am Körper gern gesehen und mehr als geduldet. Pflicht für die Herren ist allerdings der dunkle Anzug und auf jeden Fall die Krawatte.

Das wird aber nicht überall so gesehen und so kam es im Parlament neulich zu einer im Nachhinein recht peinlichen Szene. Als Miguel Sebastián, Industrieminister im Kabinett Zapatero, auf der Ministerbank Platz nahm, reichte ihm sein Partei-Kollege und Parlamentspräsident José Bono eine Krawatte, die dieser doch bitte anzehen möge, da er ja keine trage. Sebastián tat es nicht und schickte Bono daraufhin ein Thermometer.

Außerdem verwies er auf die jüngste Klimaschutzmaßnahme der Regierung, die in allen öffentlichen Gebäuden das Thermometer der Klimaanlagen auf 24 Grad hochdrehen will.

Inzwischen hat sich ein weiterer Minister als sommerlicher Krawattenverweigerer bekannt, Arbeitsminister Celestino Corbacho. Der sagte:

La formalidad se puede mantener con corbata y sin corbata. No hay que hacer de la corbata una especie de dogma por el que parezca que los políticos con cargo de representación estemos obligados a llevarla .

Die Förmlichkeit kann man mit und ohne Krawatte wahren. Man muss aus der Krawattte keine Art von Dogma machen, gemäß dem die Politker mit repräsentativen Aufgaben verpflichtet seien, sie zu tragen.

Spaniens Männer wollen sich diesen Sommer offensichtlich mal locker machen, wenn sie im Büro sind.

Quelle: El Digital Castilla-La Mancha

Nachtrag: Die Zeitung La Vanguardia hat auf ihrer Seite eine Online-Abstimmung laufen. Gefragt wird, ob die Abgeordneten bei Parlamentsdebatten Krawatte tragen sollen oder nicht. Abgestimmt haben aktuell ca. 2.200 Nutzer. Ergebnis: 51 % sind dafür, 49 % dagegen …