Familien fordern Exhumierung ihrer Toten, die im Valle de los Caídos begraben wurden

von Dirk Baranek am 6. Juli 2008

Totalitäre Diktaturen haben generell den starken Drang, einen pompösen Totenkult als Teil der staatlichen Symbolik zu inszenieren. Warum genau das so ist, kann her nicht in allen Einzelheiten geklärt werden. Vielleicht sollen monumentale Denkmäler und pittoreske Heldenfeiern die Tatsache verschleiern, dass das einzelne menschliche Leben weniger zählt als die gewaltsame Durchsetzung der totalitären Ideologie, die natürlich alleinseligmachend ist.

Beredter Ausdruck dieses Monumentalkults des Franquismus, der spanischen Spielart faschistischer Ideologie, ist bis heute das Valle de los Caídos – das Tal der Gefallenen nördlich von Madrid. Dort sind nicht nur der Diktator selbst und seine engsten Gefolgsleute bestattet, sondern in der klotzig-protzigen Anlage wurden auch etwa 50.000 Gefallene beerdigt. Letztere kamen nicht nur aus dem Franco-Lager, sondern etwa 40 Prozent waren Soldaten der Republik.

Mit dem Erlass des Gesetzes zur historischen Erinnerung (Ley de memoria historica) kam auch eine Diskussion darüber in Gang, wie mit dem Bauwerk zu verfahren sei. Strategie des Gesetzgebers: Franquistische Symbolik entfernen, kirchlichen Charakter verstärken. Aber die Diskussion hat wohl auch mehr in Gang gebracht. Die Tageszeitung El País berichtet heute, dass einige Familien es nicht länger hinnehmen wollen, dass ihre von den Faschisten ermordeten Angehörigen neben ihren Peinigern bestattet sind.

Ein Beispiel sind Familien aus einer Dorf in der Nähe von Ávila. Dorthin kamen am 20. August 1936 Truppen der Falange mit Listen von angeblichen linken Aktivisten. Sieben wurden verhaftet und am gleichen Tag außerhalb des Dorfes erschossen. Ein Bauer wurde beauftragt, die Leichen in einen nahegelegenen Brunnen zu werfen. Dort lagen sie bis 1959. dann wurden sie exhumiert und in das Valle de los Caídos geschafft.

Denn der Bau, der 1940 begonnen und erst Ende der Fünfziger fertig gestellte wurde, litt an einem Problem: zu wenige wollten dort ihre Verwandten bestatten lassen. Zwar wurden an die Witwen franquistischer Soldaten entsprechende Briefe geschrieben, aber die Resonanz war ziemlich dürftig. So kam man darauf, die nur hastig in Massengräber verscharrten Toten der republikanischen Seite in das Tal zu verlegen.

Jetzt fordern wohl viele Familien, dass ihre Toten aus der Anlage entfernt und in ihre Heimatdörfer überführt werden.

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