Intellektuellenstreit um Sprachpolitik der Regionen geht weiter

von Dirk Baranek am 7. Juli 2008

Nachdem sich eine illustre Gruppe von Intellektuellen angeführt von dem Philosophen und Essaysisten Fernando Savater mit einem Manifiesto por la lengua común – Manifest für eine gemeinsame Sprache – zu Wort gemeldet haben, ist die Auseinandersetzung um die Förderung der regionalen Sprachen in eine neue Phase getreten.

Anlass für das Manifest ist die zunehmende Sorge vieler Spanier, die zentrifugalen Kräfte in Katalonien, im Baskenland oder auch Galicien könnten den spanischen Staat zerreißen.

Mit großer Aufmerksamkeit wird daher die Politk der Katalanen verfolgt, die im Bildungssystem und im gesamten öffentlichen Leben den Gebrauch der katalanischen Sprache mit einer gewissen Hartnäckigkeit duchsetzen möchte. Zunehmend ist man genervt von der Diskussion um die dritte Schulstunde auf Kastilisch, die erst per zentralem Regierungsbeschluss durchgesetzt werden konnte.

Die Katalanen versuchen jetzt dagegen zu halten. Am Wochenende meinte zum Beispiel der amtierende Vizepräsident, Josep Lluís Carod-Rovira, ein in Zentralspanien, nunja, höchst ungeliebter Politiker, dass sich das Spanische keineswegs auf dem Rückzug befinde. Vielmehr gebe es inzwischen über 400 Millionen Sprecher, Tendenz steigend. Von einer Bedrohung könne also gar keine Rede sein, im Gegenteil. Bedroht sei vielmehr das Katalanische und es müssten alle Maßnahmen ergriffen werden, es zu retten. (El Mundo)

In einem langen Artikel in El País hat jetzt der katalanische Professor für Literatur Albert Branchadell von der Universität Autònoma in Barcelona die Gegenposition näher erläutert. Titel des Namensbeitrags: Un manifiesto contra España – Ein Manifest gegen Spanien.

Für Branchadell ist die Mahnung der Intellektuellen generell ein Rückschritt. Denn Spanien sei per Verfassung ein vielsprachiger Staat. Allein die Postulierung einer gemeinsamen Sprache sei daher ein Angriff auf die legitimen Wünsche der Bevölkerung in den Regionen.

Siehe auch diese Blogartikel:

Intellektuelle rufen zur Verteidigung der gemeinsamen Sprache auf.

Separatisten auf der Verliererstraße