Kunstaktion mit Franco-Büste provoziert Proteste in Galicien

von Dirk Baranek am 9. Juli 2008

Mit der Bewältigung historischer Katastrophen ist das ja so eine Sache. Zum einen gibt es die streng wissenschaftliche Aufarbeitung, die versucht die Fakten zu ermitteln und Zusammenhänge herzustellen. Die andere Seite ist die kulturelle Vermittlung, das Spiel mit den Zeichen. Bei letzerem kommt es darauf an, Tabus zu brechen, die Köpfe zu öffnen, die Fantasie anzuregen, neue Zeichen zu setzen.

Einen besonderen Weg für einen ironischen Umgang mit der Franco-Diktatur hat sich der Madrider Künstler Fernando Sánchez Castillo ausgedacht. Für eine kleines Kulturfestival in dem galicischen Städtchen Caldas de Reis in der Provinz Pontevedra hat er einen öffentlichen Trinkbrunnen entworfen.

Ein Teil des Kunstwerks ist eine Büste mit dem Konterfei des Diktators Francisco Franco. Das Besondere daran: Das Wasser sprudelt aus dem Mund des Despoten und wer trinken möchte, muss direkt an seine Lippen heran. Es sieht also so aus, als ob man Franco küssen würde …

Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten und auch in Deutschländ löst der spielerische, ironische Umgang mit Symbolen der NS-Diktatur, um diese lächerlich zu machen, immer wieder Diskussionen aus. Hauptkritikpunkt: Verharmlosung der Verbrechen. Das ist in Nordspanien nicht anders.

Die lokalen Vertreter der Regionalistenpartei BNG legten prompt Protest ein und forderten eine Untersuchung, ob der sozialdemokratische Bürgermeister von dieser Sache gewusst habe. Argument (auf Galicisch): Die Büste pode afectar á sensibilidade de moitos caldenses – könne die Empfindungen vieler Caldenser verletzen.

Die Büste wird aber wohl wie geplant bis Ende August stehen bleiben. Die Kunst sei in einer Demokratie frei, meinte der Bürgermeister.

Quelle (mit Foto): Voz de Galicia