Asturianisch wird wohl keine Amtssprache werden

von Dirk Baranek am 11. Juli 2008

Jeder Region ihre eigene Sprache? Fast scheint es so, allerdings fällt es einigen dann doch schwer, ihre höchstens dialektalen Färbungen in eine kohärente, grammatikalisch abgegrenzte Sprache zu überführen.

Manchmal wird auch nachgeholfen nach dem Muster: Wir haben eine eigene, nichtkastistilische Sprache, also haben wir das Recht auf eine starke Autonomie, eventuell sogar auf einen eigenen Staat, wenns drauf ankommt. Und wenn wir gar keine eigene Sprache haben? Wenn es weder eine Grammatik noch eine Schriftsprache gibt? Ja, dann backen wir uns eben eine.

Dieses Schicksal dürfte jetzt das so genannte asturiano nicht ereilen. Denn auch in der Region am Atlantik zwischen Galicien und dem Baskenland schreibt man im Moment an einem neuen Regionalstatut. Wie 20minutos berichtet, werden die großen Volksparteien im Regionalparlament aber das Asturianische wohl nicht zu lengua cooficial erheben., zur zweiten Amtssprache. Damit bleibt die Sprache, die in vielen Elementen dem Gailicischen ähnelt, ein patrimonio linguïstico – ein sprachwissenschaftlicher Schatz.

Auch sonst sind die Asturianer nicht besonders darauf erpicht, die Madrider Zentrale zu provozieren. In dem Statut soll an keiner Stelle von einer „Nation“ die Rede sein, sondern als Begründung für die Verfassungsgebung von einer comunidad histórica. Auch in Zukunft wird sie den Namen „Principado de Asturias“ tragen.

Durch besonders hartnäckigen Regionalismus sind die Asturier auch bisher nicht aufgefallen. Im Parlament sind die nationalistisch-separatistischen Parteien nicht vertreten. Hauptstadt und Sitz des Parlaments soll wie bisher Oviedo werden.

{ 7 comments }

martin 10.14.08 at 14:57

Den Status als eigenständige Sprache – man vergleiche Aussagen prominenter Sprachwissenschaftler, mühelos auf Google unter „asturianisch“ zu finden – kann wohl kaum jemand abstreiten. Um in einem eigenen, selbstverfassten Autonomiestatut die überfällige Offizialität zu fordern, muss man doch noch kein Separatist sein, oder? Es geht um starke Autonomie und historisch-kulturelle Anerkennung, nicht anders, als Catalunya, Euskadi und Galiza seit 1975 beanspruchen.
Wir haben uns nichts erfunden. Wir haben eine eigene Grammatik und Lexikographie, Belege aus historischen Quellen aus dem 11.Jhdt.
Ich bin Sympathisant der besagten Parteien. Wir wollen aber keinen eigenen Staat und sprengen auch keine Leute in die Luft.

PUXA ASTURIES – ASTURIANU LLINGUA OFICIAL

Dirk Baranek 10.14.08 at 18:24

Das mag ja eventuell noch alles angehen, das mit den Wissenschaftlern, aber was ist denn mit den Sprechern? Wer spricht denn diese „Sprache“ überhaupt? Das 11. Jahrhundert als Beweis heranzuziehen, ist doch mehr als fragwürdig. Es kann doch nicht sein, auf dieser Basis die spanische Sprachlandschaft weiter zu zerstückeln und Kunstsprachen in die Welt zu setzen, die nur aus politischen Gründen opportun erscheinen. Nein, nein, dieser Weg erscheint mir ganz und gar falsch. Die Wahlergebnisse der letzte Monate zeigen doch, dass die Menschen das einfach nicht wollen.

Ein Freund 10.27.08 at 22:56

Hola Puxa,

fahr nach München und spreche „Bayrisch“ , fahr nach Stuttgart und spreche „Schwäbisch“ oder komm nach Hamburg und spreche „Plattdeutsch“ .

Ist es das was Du willst ????

Aleixo Roupeiro Fusté 02.26.10 at 22:46

Hola a tod@s!
Ich bin halb-galicier und halb-katalane und bin FÜR die Annerkung der asturischen SPRACHE als offizielle Amtsprache im „Principáu d’Asturies“. Es ist eine Sprache, die sich unabhängig von Spanischen (castellano) aus dem Vulgärlatein entwickelt hat (also kein Dialekt des Spanischen) und trotzdem lange Zeit als spanischer Dialekt oder „español mal hablado“ bezeichnet wurde. Das Spanische hatte mehr „prestigio“, was dazu führte, dass bable nur noch auf dem Land und im familiären Umfeld gesprochen wurde (Diglossie bzw. Substitution des asturischen durch das spanische). Ähnliches passierte mit dem Aragonesischen (Fabla), nur für diese Sprache ist es jetzt wohl schon zu spät. Aber es gibt ein Sprichwort (in fabla):
„Ni os chilos d’o inoran, ni o silenzio d’as lais,
afogaran a boz que charra n’aragonés!“
(Ni los gritos del ignorante, ni el silencio de las leyes, ahogarán la voz que habla aragonés)
Also, vielleicht ist diese Sprache doch noch nicht verloren….
Das asturianische kann man aber noch retten…und meiner Meinung nach am besten mit einer offiziellen Anerkennung.
Außerdem, es ist ja nicht so, dass kein Mensch mehr diese Sprache spricht. Es gibt insgesamt fast 600.000 Sprecher (die verschiedenen Dialekte z. b. llionés, estremeñu, montañés mit eingeschlossen) und das ist nicht wenig…Baskisch hat kaum mehr….
Asturisch wird in Schulen, Universitäten (z.B. Uviéu [Oviedo]) unterrichtet und es gibt auch literatur in dieser Sprache.
Ich habe einige asturianische Freunde (weder separatisten noch sonst irgendwas), die bable gerne spreche (und viel), da sie sich damit identifizieren („l’asturianu defíneme a mi, l’español al mio país“). Was hat das denn mit einer „Zerstückelung der spanischen Sprachlandschaft“ zu tun???!!! Die Sprachen (sei es asturianu, leonés, gallego, catalán, aranés, aragonés, a fala de xálima, estremeñu, cántabru) sind da (da braucht nichts mehr zerstückelt werden) und es gibt viele Menschen, die in diesen Sprachen denken und träumen. Warum haben sie nicht das Recht, dass ihre kulturelle Identität offiziell anerkannt wird? Eine Anerkennung der Sprache bedeutet ja nicht, dass sich die betreffenden Regionen abspalten. Ich glaube kaum, dass die asturische Regierung plötzlich durchknallt und eine ähnliche Politik macht wie mein Katalonien (t’estimo)…….uy acabo de ver que he escrito demasiado 🙂
perdonadme 😀
En este sentido:
Todos tenemos nuestra lengua, no dejad que desaparezca! (castellano)
Tots tenim la nostra llengua, no deixeu que desapareixi! (català)
Todos temos a nosa lingua, non deixade que desapareza! (galego)
Toti auem era nòsta lengua, pas deishatz que desapareishe! (aranés)
Toos tenemos a nuesa llingua, nun dexái que suma! (asturianu)
Tos abemus a nuestra fala, nun dexái que relinda! (estremeñu)
Toos tenemus a nostra ḷḷíngua, nun dexái que suma! (llionés)
Tous temus a nuosa lengua, nun deixal que desapareci (xalimegu)
Toz tenemos a nuestra luenga, no dixáz que disaparixa! (aragonés)

uff….tengo todas?? jejeje
bueno, muchos saludos y espero no haberos molestado 😉

Dirk Baranek 02.27.10 at 13:59

Das ist alles ganz gut und schön. In Deutschland gibt es ja auch viele regionale Sprachen. Ebenso darf jeder reden, wie er will, Hauptsache, er wird verstanden. Es geht doch aber darum, dass jetzt Dialekte kodifiziert werden und künstlich im öffentlichen Leben übergestülpt. Was soll das? Es geht doch in Wahrheit gar nicht um die Sprachen. Es geht doch um Politik, um Macht. Um ein antizentralistisches, kindisches Ressentiment. Diese Ansprüche auf regionale Selbstverwaltung werden dann aber begründet mit irgendwelchen versunkenen Sprachen. Das ist absurd und lächerlich.

Aleixo Roupeiro Fusté 03.02.10 at 21:11

Ich stimme dir zu, dass es bei dem ganzen Thema wohl eher um Politik geht als um die Sprache. Besonders in den Fällen Galiciens, Kataloniens und des Baskenlandes. Am besten haben es die katalanischen Separatisten verstanden, die ihnen gewährten Freiheiten nach der Transición auszunutzen. Sie manipulierten und manipulieren noch heute die Bewohner Kataloniens, indem sie immer mehr Hass gegenüber allem spanischen aufbauen. Katalonien ist wohl die einzige Region Europas (vielleicht der Welt?), wo man an öffentlichen Schulen nicht auf der offiziellen Landessprache (Spanisch) unterrichtet werden kann/darf. Qué vergüenza!!
Trotzdem bin ich der Meinung, dass man eine Sprache nicht einfach, weil sie vielleicht nicht von sehr vielen Menschen gesprochen wird, ignorieren sollte. Das katalanische Modell ist übertrieben, da es eine Diskrimierung der spanischsprachigen Bevölkerung mit sich bringt. Aber was spricht gegen ein Modell, wo 50% des Unterrichts auf Spanisch und 50% des Unterrichts auf der jeweiligen Regionalsprache unterrichtet wird? Oder etwa wie das aranesische Schulsystem, das 3 offizielle Amtsprachen in sein Schulsystem integrieren muss. Bis zur 1. Klasse ist Aranesisch die Umgangssprache, ab der 1. Klasse wird jedes Fach in einer anderen Sprache unterrichtet (und zwar in vier: Spanisch, Katalanisch, Aranesisch und Französisch). Diese Kinder sind nach der Schulzeit viersprachig.
Das Problem der Minderheitssprachen (damit beziehe ich mich auf das Asturleonesische und das Aragonesische) ist, dass diese Sprachen aussterben werden, wenn man sie nicht mehr in das öffentliche Leben integriert. Da sie jahrzehntelang kein Ansehen hatten, werden diese Sprachen nur noch auf den Dörfern an die Kinder weitergegeben, da man der Meinung ist, dass Spanisch vorteilhafter sei (was es es zweifelsohne auch ist), wobei man immernoch stolz auf seine regionalsprache ist. Und es schadet keinem, wenn man diese Sprachen ofiziell macht. Plurilingüismo no es una desventaja, sino una ventaja!!
Meiner Meinung nach sollten Regionen, die eine eigene Sprache haben, diese auch offiziell als solche anerkennen und in gewisser Weise versuchen, diese zu fördern. Es sollte zwar nicht so enden wie in Katalonien, wo ausschließlich das Katalanische subvenzioniert wird und es der Regierung egal ist, was mit dem Spanischen passiert. Doch man sollte einen Mittelweg finden. Es gibt so viele schöne Sprachen in Europa, die keine Förderung bekommen und über kurz oder lang verschwinden werden. Da wären z.B. die keltischen Sprachen (Bretonisch, Gälisch und Walisisch). Sie werden zwar nicht von vielen Menschen gesprochen, haben aber vor allem in Wales und teilweise in Irland eine starke identifikatorische Bedeutung und wurden z.T. ins Schulsystem integriert. Dies sichert wohl ihr überleben, obwohl auch man wohl noch abwarten muss, ob die Sprache dann auf weitergegeben wird. In Deutschland, da hast du Recht, gibt es einige Regionalsprachen (Plattdeutsch, Friesisch, Dänisch und Sorbisch) und unzählige Dialekte. Keine dieser Sprachen wird wirklich gefördert und sie werden von ihren Sprechern dem Deutschen untergeordnet. In Spanien nicht! Die drei traditionell großen Regionalsprachen (català, euskera, galego) hatten schon immer eine große Bedeutung in der jeweiligen Region und waren Literatursprache und Amtsprache der alten Königreiche. Die kleineren Sprachen (asturianu, llionés, aragonés und aranés) hatten früher aber auch eine große Bedeutung. So war das Asturleonesische Amtsprache des Königreichs von Asturien und auch von León, das Aragonesische war, neben dem Katalanischen, Amtsprache im Königreich von Aragón. Alle Sprachen hatten ein großes Einzugsgebiet (asturleonsisch sprach man bis ins 17. Jhd sogar bis nach Andalusien; Aragonesisch bis nach Valencia, Navarra und Castilla) und eine Literatur. Durch die den immer größer werdenden Druck des Spanischen wurden sie zurückgedrängt.
Ich finde, dass man die Bevölkerung entscheiden lassen sollte, ob die jeweilige Regionalsprache offiziell werden soll oder nicht. Eine andere kulturelle Identität sollte nicht von Politikern missbraucht werden, um sich noch mehr Geld in die Taschen zu stecken und als Entschuldigung für jedes noch so unverschämtes Verhalten herhalten müssen.
Achso, aber das alles sind eigenständige Sprache, die sich nicht AUS dem Spanischen entwickelt haben, sondern PARALLEL dazu. Es wäre natürlich Quatsch, wenn man Dialekte des Spanischen (wie andaluz, manchego, churro, canario, riojano, madrilenyo, murciano) ofiziell machen würde oder sie normalisiert…
Hasta luego / Fins aviat / Gero arte / Até logo / Entà dempús / Dica dimpués/ Hasta dempués / Jasta aluegu / H.asta dipóis 😉

Frank Müller-Reise 03.20.11 at 22:47

Ich hab denke ich ganz gute Spanischkenntnisse und war in vielen Regionen unterwegs, ebenso in Asturien, genauer gesagt in Llanes und ich glaube mehr als ein Dialekt ist es nicht. Ich finde es Schwachsinnig sich permanent abgrenzen zu wollen. Wirtschaftlich dürfte es die Region auch nicht voran bringen.

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