Digitalisierung von Bibliotheken schreitet voran

von Dirk Baranek am 17. Juli 2008

Wie bekannt gibt es ja weltweit diverse Projekte, die Bestände von Bibliotheken zu digitalisieren und gratis im Internet zugänglich zu machen. Über den Stand der Entwicklung in Spanien gibt ein Artikel in dem Infoportal madri+d Auskunft.

Complutense bei Google

Eines der größten Projekte bei der Digitaliserung wird ja von dem Unternehmen Google vorangetrieben. Dieses bezieht sich zwar zunächst auf neu erschienene Bücher aber eben auch auf alte Bibliotheksbestände. Um diesen Dienst mit Material zu füllen, hatt Google Kooperationen mit diversen Universitäten vereinbart. Seit 2005 ist auch die Universidad Complutense in Madrid beteiltigt. Die verfügt nach der Bibliteca Nacional über die zweitgrößte Sammlung Spaniens, etwa drei Millionen Einheiten. Für die Digitaliserung wurden 300.000 ausgesucht, die seit ein paar Wochen gescannt werden.

Der Prozeß selbst ist wohl recht aufwändig, wie der Direktor der Uni-Biblithek berichtet. Vor allem alte Bücher in delikatem Zustand müssen vorsichtig behandelt werden. Daher kostet auch der komplette Scan eines einzigen Buches etwa 60 Euro.

Bei Google werden auch Bücher der Biblioteca de Catalunya veröffentlicht werden.

Das europäische Projekt

Auf Initiative der EU wurde – u.a. um der US-Übermacht in Person von Google etwas entgegenzusetzen – das Projekt TEL entwickelt – The European Library. Spanischer Partner ist hier die Biblioteca Nacional, die etwa elf Millionen Bücher und weitere 15 Millionen andere Dokumente verwaltet. Mit Unterstützung von Sponsoren und des Kultusministerius werden in den nächsten Jahren 40.000 Bücher, 15.000 Manuskripte sowie viele tausend Zeichnungen, Karten und Fotos elektronisch verfügbar gemacht. Welche Schätze da so in den Regalen liegen, zeigt eine Ausstellung in der Bibliothek, die auch im Netz zu finden ist. Hier als Beispiel ein Manuskript von Lope de Vega von 1613.

fenix.jpgDas spanische Projekt

Teile dieser Daten sind bereits und werden auch auf dem eigenen spanischen Angebot veröffentlicht, der Biblioteca Digital Hispánica. Die hat bereits etwa 10.000 verfügbare Einheiten im Angebot. Wie das aber manchmal so ist, kann dort zwar mit einer äußerst exakten, bibliothekswissenschaftlichen Katalogisierung gerechnet werden. dafür aber auch mit einer etwas eingeschränkten Handhabkeit. Trotzdem finden sich darunter auch Dokumente der Alltagskultur, wie diese Schokoladenreklame aus La Coruña von 1889. Es gibt also einiges zum stöbern und die Menge wird definitv steigen …

Berlin und Hamburg
Nicht unerwähnt lassen wollen wir an dieser Stelle ein Projekt des Ibero-Amerikanischen Instituts in Berlin sowie der  Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg.  Beide haben eine von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) Virtuelle Fachbibliothek Ibero-Amerika / Spanien / Portugal ins Leben gerufen. Es handelt sich dabei im Grunde um eine sehr gute, spezialisierte Suchmaschine, die nicht nur Kataloge durchsucht, sondern auch digitalisierte Schriften zugänglich macht, die verstreut auf irgendwelchen Uni-Servern liegen.

Es wird also auch in Spanien zurzeit fleißig gescannt, allerdings erscheinen die Budgets doch recht überschaubar. Wird also noch eine ganze Zeit dauern, bis wirklich ganze Buchbestände im Web verfügbar sind.