Warum ein Urlaub in Spanien einfach Spaß macht

von Dirk Baranek am 13. August 2008

Seit ein paar Tagen sind wir wieder zurück aus dem Urlaub, den wir in der Nähe der Stadt Torrevieja verbracht haben, an der Costa Blanca. Wir haben dort einfach mal drei Wochen lang den Stecker rausgezogen – total offline! Zeit also für eine kleine Nachbetrachtung.

Hace falta la practica …

Also Spanisch können wir ja nun, eigentlich kein Problem. Allerdings leben wir nicht dort und da fällt in den ersten Tagen immer etwas das Verstehen der gesprochenen Sprache schwer. Denn die Leute reden halt schnell und so, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Meint: Da wird einiges vernuschelt, ist dialektal gefärbt und manchmal einfach nur unverständlich. Außerdem will man sich auch nicht jedes Mal als Ausländer outen, der das jetzt mal gerade was nicht kapiert. Irgendwann ging es dann besser, wir sind richtig gut reingekommen unter anderem durch eifriges Gucken des nachmittäglichen TV-Angebots, das im übrigen ähnlich trashig ist wie bei uns … Boulevardmagazine, Ratespiele oder auch mal Simpsons. Abends dann natürlich Telediario, die spansche Tagesschau.

Der Ort ist klasse …

Breiter, sauberer, endloser Strand, warmes, klares Wasser, diverse Strandbuden für den kleinen Hunger oder Durst mit fairen Preisen und annehmbarer Qualität – Spanien ist einfach super. Zum Vergleich: Schon mal an der Cote d’Azur gewesen? Da sind die an sich knappen Strände zu 90 Prozent privat. Ganz schlimm! Dass die Franzosen sich das bieten lassen…

Gut, wir sind eh nicht so die Strandhocker, weil auch das Apartment, auf das wir glücklicherweise Zugriff haben, einen Balkon mit Meeresblick hat, über einen Pool verfügt und wir die gnadenlose Sonne fürchten. Kurz zum Strand, ins Meer schmeißen, unterm Schirm an der Strandbar einen tinto de verano süffeln, nochmal baden und wieder weg, das ist so unser Stil.

In La Mata, so der Name des Vororts von Torrevieja, sind im August natürlich tausende von Urlaubern, zumeist Spanier und der Rest aus Nordeuropa. Aber das macht uns nix aus, weil die Bettenburgen fehlen und eigentlich nur Apartmentblocks bewohnt werden. Das hat Konsequenzen auf die Gastronomie und die Einkaufsmöglichkeiten inklusive Wochenmarkt. Alles viel natürlicher, keine Ballermännerei, relaxt, locker, fair, ok.

Kurzum: Wenn man da so am Strand sitzt, frisch aus dem Meer kommt und sich in eine ruhige Ecke zurückzieht, denkt man: Wow, ist ja wie im Urlaubsreisefilm in die Karibik hier, bilderbuchmäßig.

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Foto: Blick vom Balkon.

Shopping

Prinzipiell nutzen wir die fast jährlichen Spanien-Aufenthalte immer zu Anschaffungen im Bereich Bekleidung (Textilien und Schuhe). Zum einen gefällt uns der spanische, recht frische und designgeprägte Stil, wie man ihn bei Zara und Co findet, zum anderen haben wir inzwischen unsere bevorzugten Spots in der Umgebung. Elche zum Beispiel ist einfach klasse, weil man in der beschaulichen Altstadt der 3000 Jahre alten Stadt mit den zwei Weltkulturerbestätten eigentlich alles zusammen hat. Auch in diesem Jahr haben wir zugeschlagen, weil auch gerade rebajas de verano (Sommerschlussverkauf) waren – das heißt noch mal alles günstiger. Unser Tipp daher: Wer einen Spanienurlaub plant, sollte sich seine Einkäufe hierzulande sparen, mit halbleerem Koffer losfahren und sich mal in eines der fast überall entstandenen Malls und Einkaufszentren – centro de comercio – stürzen. Lohnt sich! Spezialtipp: Wer mal was ausgefallenes sucht, geht in die Läden der Marke desigual!

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Foto: Platz in Elche

Essen gehen

Natürlich haben wir meistens gekocht, weil wir ja Möglichkeiten hatten und man auf den Märkten wirklich sehr schmackhafte Produkte bekommt, die zu verarbeiten Spaß macht. Aber wir gehen auch gerne essen. Zum einen haben wir da unsere Speziallokale gefunden, die eine einfache, grundehrliche, mediterrane Sommerküche bieten. Zum anderen gehen wir in den großen Städten immer gerne Mittags irgendwo rein, die menu del día anbieten – Tagesmenüs. Gibts meistens zwischen 13/14 und 16 Uhr. Da kriegt man für zehn bis fünfzehn Euro pro Nase teilweise hervorragende Sachen. So dieses Jahr in Alicante in einem Lokal in der Altstadt. Vier Gänge fast in Sternequalität, extravagantes Design-Ambiente, Profi-Service und dann dreizehn Euro inklusive Getränke – unglaublich! Generell steigt die Qualität der Gastronomie in Spanien weiter. Folge der Bemühungen, den Sektor durch qualifizierte Ausbildungen weiter zu professionalisieren.

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Foto: Marktstand mit eingelegten Oliven, Zwiebeln, ajo usw.

Wellenreiten

Das Meer an sich ist ja langweilig. Uns machts nur Spaß, wenn es ein paar Wellen hat. So alles zwischen halbem und einem Meter ist super. Kommt öfter vor. Zum richtigen Surfen reicht das zwar nicht, können wir auch nicht, aber wir haben uns in einem Surfshop semiprofessionelle Bodyboards gekauft, auf denen man im Liegen die Wellen rockt. He, das macht echt Laune, sich mit 30 km/h etwa 50 bis 100 Meter an den Strand tragen zu lassen. Unter einem zischt der Wellenschaum, die geballten Naturkräfte entladen sich und tragen dich mit. Dann wieder zurück durch die Brandung kämpfen, da wo die Wellen kurz vom Umschlagen sind, ein bisschen warten, bis die richtige kommt, dann drauf und ab gehts. Nach zwei Stunden ist man fix und fertig ;-)). Vielleicht schreibe ich noch mal eine kleine Existenzphilosophie anhand des Wellenreitens – ist alles dabei, was man Allzumenschliches braucht, um das Leben an sich zu meistern: Wissen, Geduld, Schnelligkeit, Ausgeliefertsein, Herr der Situation bleiben, Chancen nutzen und verpassen usw.

Netzwerk

Wir hatten vor Abreise geschrieben, vielleicht mögen sich Leute melden, die sich mit uns treffen wollen. Wunderbarerweise ist das auch geschehen. Einen angeregten Abend verbracht haben wir mit einem deutschen Leser, der dort mit seiner argentinischen Frau und zwei Teenager-Kindern lebt. War sehr nett und interessant. Übrigens: Zum Strand gehen die gar nicht mehr (hihi). Diese Treffen werden wir in den nächsten Jahren verstärken und wollen unser Netzwerk vor Ort dort ausbauen. Mal sehen was draus wird.

Höhepunkt: Chambao en vivo

Spanisch gefärbte Musik gefällt uns einfach. Keine Ahnung warum, aber bei Latino-Rhythmen oder guten Flamencos, Rumbas usw. kriegen wir Gänsehaut. Sinds die Gene? Man weiß es nicht.

Allerdings sind wir anspruchsvoll. Die kitschige Zarzuela-Musik oder der Flamenco-Verschnitt a la Isabel Pantoja, die an der einen Strandbude dauernd aus den Lautsprechern quoll, machte das dort zum Paradies für Rentner aus Madrid, nicht unser Ding. Deswegen gefällt uns auch die andalusische Band Chambao recht gut, die zumindest bisher eine gesunde Mischung aus traditionelle Melodik und Gesang sowie elektro-jazzigen Elementen geboten hat. Jetzt hatten wir die schöne Gelegenheit, Chambao live zu sehen. Und das war einfach nur gut.

Ort des Geschehens war der kleine Ort Aspe, 15 Kilometer nördlich von Elche. Die hatten fiestas und daher die sich auf Sommertour befindliche Band für ein Freiluftkonzert gebucht. Dem entsprechend zivil war der Eintritt und auch das ganze Ambiente erinnerte ein bisschen an Kleinstadtfest. Gespielt haben Chambao für etwa 2.000 Zuschauer von 24 bis 2 Uhr und es war einfach nur gut. Super Musiker, eine schrecklich nette Mari, die Sängerin, und ein mitsingendes Publikum, denn die Texte sind auch recht eingängig, gleichwohl untrivial, hinter- und tiefsinnig. Typisch spanisch am Publikum natürlich das fortgesetzte, den Rhythmus paraphrasierende Mitklatschen – palmitas.

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Insgesamt entspannend, belebend, gut.

Fazit: Immer wieder gerne…

Ich weigere mich beharrlich, ein so genannter „Spanien-Fan“ zu sein. Klingt so nach rosaroter Brille, unkontrollierbaren Emotionen und blinder Treue. Alles Quatsch! Natürlich verschaffen die Sprachkenntnisse und das reichhaltige Wissen über Land und Leute einen anderen Zugang zu einer Zivilisation. Aber ganz rational betrachtet, bietet Spanien einen ziemlich gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und dazu ein Klima, das ich bevorzuge. Zudem ist das Alltagsleben von großer Freizügigkeit geprägt, die Leute sind soweit nett und hilfsbereit und der wirtschaftliche Erfolg der letzten Jahre hat die Städte prosperieren lassen, was man überall sehen kann. Hier habe ich nicht das Gefühl, in einem Dritte-Welt-Land arme Menschen ohne Perspektive zu beschämen mit meinem Rückflug-Ticket und Visa-Karte in der Tasche. Oder gar mich in den Fassaden zu bewegen, die autoritäre politische Verhältnisse errichtet haben. Der eine mag den französischen Atlantik, der andere die Toskana. Wir werden immer wieder die Pyrenäen passieren und die iberische Halbinsel auf uns wirken lassen. Spain rulez!

{ 4 comments }

Sebastian 08.14.08 at 09:16

Totalmente de acuerdo!

Jorge 12.04.08 at 00:16

Ein toller Artikel sehr privatim und genau beobachtet.
Eine gelungene Werbung für Tourismus in dieser Region ohne die üblichen Klischees zu bedienen.
Ich lebe seit seit 12 Jahren hier und kann das ganz gut beurteilen. Danke für diesen sympatischen Außenblick
auf unser tägliches Leben – tambien acuerdo !

Stefanie 04.29.10 at 15:57

Ein wunderschöner Blog über Urlaub in Spanien. Bisher war ich häufig auf einer der Inseln und habe mich dabei in Mallorca verliebt. Die Landschaft mit den Fincas und den Pinien zieht mich jedes Jahr wieder an. Das Mieten eines Ferienhaus ist auch recht unkompliziert und die Ferien immer ein Vergnügen. Mit den Kleiderläden vor Ort habe ich mich noch nie befasst, weil ich lieber wandern war. Bei meinem nächsten Urlaub werde ich mich einmal danach umsehen. Vielleicht findet sich ein schönes Stück für meinen Kleiderschrank, oder die Disko im nächsten Fincahotel.

Norby 09.20.10 at 05:55

Nette Story, unaufgeregt und interessant zu ‚Papier‘ gebracht. Ich selbst war zwar noch nie auf der Iberischen Halbinsel, werde aber in Kürze auf eine ‚Ganzinsel‘ fliegen – nämlich Ibiza.
Schon von daher war dieser Artikel recht amüsant und informativ für mich. Bin gespannt auf die Diffenrenz zwischen Erwartung und Realität, was das spanische Leben an sich angeht…

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