So funktionierte die Korruption in Mallorca

von Dirk Baranek am 16. August 2008

Vor etwa zwei Woche hat die Anti-Korruptionseinheit der Guardía Civíl mal wieder auf Mallorca zugeschlagen. Beschuldigt werden inzwischen elf Personen, die unter Führung und Anleitung von Juan Francisco Gosálbez den Staat um insgesamt etwa drei Millionen betrogen haben sollen und in die eigene Tasche gesteckt haben. Inzwischen kommen immer mehr Details des Falles ans Licht der Öffentlichkeit, wie zum Beispiel in einem Artikel in El País. Und auch die Politik hat reagiert. So hat die Partido Popular alle vier, ihrer Partei zugehörenden Beschuldigten ausgeschlossen, denn die ganze Geschichte fand in der Regierungszeit der Konservativen auf Mallorca statt.

Der Haupttäter Gosálbez, der jetzt in Untersuchungshaft sitzt und bis vor kurzem Mitglied der Nuevas Generaciones war, der Jugendorganisation der PP, hat keine Aussicht auf Kaution freizukommen. Der Untersuchungsrichter hat dies wegen Verdunkelungsgefahr nicht zugelassen. Offensichtlich ist die Beweislage schon jetzt erdrückend. Gosálbez war Chef einer halbstaatlichen Agentur zur Förderung des Jugendtourismus auf der Baleareninsel, des Consorcio de Turismo Joven. In dieser Funktion hatte er offenbar völlig freie Hand. Interne Kontrollen gab es keine.

Die Vorwürfe sind schwerwiegend. So soll er sich selbst und seine engsten Vertrauten in wesentlich höher Besoldungsgruppen befördert haben, die gar nicht den Stellenbeschreibungen angemessen waren. Des weiteren hat er wohl eine Immobilie gekauft und diese auf Staatskosten herrichten lassen. Damit nicht genug, veranlasste er den Umzug des Sitzes der Einrichtung in Büros in eben diesem Haus. Natürlich nicht zur ortsüblichen Miete sondern zu einer wesentlich höheren. Hatten die Büros zuvor etwa 800 Euro gekostet, erhöhte sich dieser Posten nun auf 4.000 – pro Monat.

Des weiteren verlangte der von Mitarbeitern als allmächtig beschriebene Beschuldigte von Unternehmen, die für das Consorcio tätig wurden, Provisionen. So hat ein Unternehmer bereits ausgesagt, dass Gosálbez für einen Auftrag in Höhe von 180.000 Euro ein Drittel für sich haben wollte. Er habe 60.000 Euro gezahlt, bekannte der Mann. Um die Sache am Laufen zu halten, wurden wahrscheinlich auch Aufträge an Handwerker erteilt, die entweder völlig überzogen oder sogar einfach sinnlos waren, wie Gartenarbeiten oder die Erneuerung des Stromnetzes in dem neuen Büro. Die Untersuchungsbehörden wühlen sich zudem aktuell durch hunderte von fragwürdigen Rechnungen für Anschaffungen, Restaurantbesuche und angebliche Dienstreisen.

Der Fall wirft kein gutes Licht auf die Amtsführung der konservativen Inselregierung unter dem Regionalpräsidenten Jaume Matas, der u.a. von 2003 bis 2007 im Amt war.