Radikaler Aktivist schnorrt halbe Million bei 39 Banken, um sie öffentlich anzuprangern

von Dirk Baranek am 17. September 2008

foto_312382_cas.jpgFast 500.000 Euro will Enric Duran von insgesamt 39 spanischen Finanzinstituten als Kredit erhalten haben – ohne irgendeine Sicherheit und nur auf der Basis von mehr oder weniger obskuren Geschäftsideen. Allerdings hatte der aus einer katalanischen Kleinstadt stammende Duran die Unterstützung des katalanischen Arbeitsamtes erhalten, die seine Unternehmensgründung im Bereich Vertrieb von ökologischen Produkten für gut befand. Offensichtlich ist er mit diesen Unterlagen zu den großen Banken gegangen und hat die beantragten Kredite bekommen. Nach eigener Aussage war das nicht besonders schwierig und er sei zu den Terminen auch in der üblichen Alltagskleidung erschienen. Die Summen belaufen sich auf Beträge von 1.000 bis zu 40.000 Euro.

Jetzt allerdings schlägt er zurück. Das Geld hat er nämlich in die Produktion einer gratis in der Stadt Gerona sowie in ganz Katalonien verteilten Zeitung gesteckt. Titel der Publikation: Crisis. – Die Krise. Auflage 200.000. Rechts das Titelblatt der ersten Ausgabe mit der Schlagzeile: „Glaubst du, dass die Banken dich berauben?“

In dem Blatt werden den Banken und dem Finanzsystem insgesamt gesellschaftsschädigende Geschäftspraktiken vorgeworfen. Er wolle mit der Aktion zu einer besseren Gesellschaft beitrage, die sozial gerechter sei, sagte Duran via Skype der Nachrichtenagentur EFE.

Seit März hat er die Kredite nicht mehr bedient. Die Banken hätten sich bisher nicht bei ihm gemeldet oder gar angezeigt..  Duran ist Mitte Zwanzig und hat ein Soziologie-Studium abgebrochen. „Ich kann besser selbst lernen,“ sagte er dazu.

Website Crisi: www.17-s.info

Hier gibt es die erste Ausgabe von Crisi als PDF (katalanisch)

Quelle: Soitu