Lorca-Familie stimmt Graböffnung zu

von Dirk Baranek am 18. September 2008

Die Familie des Schriftstellers Federico García Lorca ist nicht gegen eine Öffnung des Massengrabs, in dem sich wahrscheinlich dessen sterblichen Überreste befinden. Das teilte die Großnichte, Laura García Lorca, heute mit, nachdem sich die Familie gestern auf ein gemeinsames Vorgehen geeinigt hatte.  Man werden gegen eine von dem Untersuchungsrichter Garzón angeordnete Exhumierung nichts unternehmen.

Gleichwohl äußerte sie Bedenken gegen eine teilweise Bergung, der in dem Massengrab verscharrten Bürgerkriegsofer. Das sei der historischen Erinnerung nicht dienlich. Sie betonte, dass die Familie niemals die schrecklichen Ereignisse in Granda zu Beginn des Bürgerkriegs vertuschen wollte, weil sie sich bisher gegen eine Öffnung des Massengrabs ausgesprochen habe. Vielmehr müsse darauf geachtet werden, dass das Ganze in einem würdigen, den Personen und den Geschehnissen würdigen Rahmen stattfinde. Das Grab liegt zwischen den Ortschaften Víznar und Alfacar im Nordosten von Granada.

Quelle: Gaceta.es

Mehr Informationen in diesem Beitrag:  Wird Federico García Lorca exhumiert?

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» Die Franco-Diktatur landet vielleicht doch noch auf der Anklagebank - eSpanien - Politik, Kultur, Sprache
10.17.08 at 17:06

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Paula Schramm 09.18.08 at 13:27

In meiner Theatergruppe haben wir mal ein Stück von Lorca gespielt und Bernada Albas Haus ist immer noch eines der besten Theaterstücke das mir je untergekommen ist. Die einfühlsame Art mit der Lorca die starken Frauen in seinen Stücken umschrieben hat ist wunderbar. Allerdings glaube ich nicht, dass das exhumieren des Authors irgendwie zur Aufarbeitung der spanischen Geschichte beiträgt.

Dirk Baranek 09.18.08 at 14:04

Lorca ist für mich unbestritten das größte poetische Talent Spaniens im 20. Jahrhundert. Eben so ganz eigen, weil die spanischen Volksraditionen mit dem Blick der Moderne hinübergerettet werden.

Bezüglich der Exhumierung bin ich anderer Meinung. Gerade die aktuelle Diskussion über diesen Fall macht der spanischen Gesellschaft im Moment klar, dass da noch ein Riesenloch klafft. Anders als in Deutschland wurde der Franquismus nie juristisch, vielleicht noch nicht mal politisch-moralisch, aufgearbeitet. Wie groß aber immer noch das Trauma ist, sieht man zum Beispiel an der Tatsache, dass jedes Jahr eine Menge von abendfüllenden Spielfilmen entstehen, die sich mit dieser Zeit befassen. Es gibt eben bis heute mehr Franco-Denkmäler als Gedenkstätten für die Opfer. Die liegen immer noch in anonymen Massengräbern. Ihnen wieder ein Gesicht zu geben und damit ihre Würde, ist die Aufgabe, vor der die spanische Gesellschaft noch steht.

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