Stierkampf in der Krise

von Dirk Baranek am 24. September 2008

Immer wieder werden wir bei eSpanien mit Aussagen konfrontiert wie „Spanien? Okay, aber was ist mit diesem fürchterlichen Stierkampf?“ Dazu könnte man zunächst mal sagen: „Klar, Stierkampf ist genauso doof wie Formel-1-Rennen, Springreiten oder die Tour de France.“ Ungläubige Ja,aber-Reaktionen sind dann an der Tagesordnung und irgendwie sogar verständlich. Andererseits muss man weit ausholen und den sich zu Recht vom geordneten Stierabschlachten angewiderten Zeitgenossen erklären, dass die spanische Gesellschaft weiß Gott nicht homogen ist in dieser Frage.

Im Gegenteil: Die Zustimmung zur fiesta nacional nimmt rapide ab.

Letzte Bastionen gibt es zwar immer noch und sogar die Massenmedien feiern regelmäßig die vermeintlichen Star-Matadoren der Saison. Aber die Gegenwehr nimmt zu. Das zeigen auch zwei aktuelle Meldungen.

Zum einen meldet La Nación, dass offenbar militante Stierkampfgegner hinter zwei Aktionen stecken, die die „Welt des Stierkampfs schockieren“, wie berichtet wird. Denn Unbekannte haben nicht nur das Grab von Julio Robles geschändet sondern auch das Haus und die Kneipe von José Tomás bzw. dessen Eltern mit dem Schriftzug asesinos – Mörder – versehen.

Zum zweiten geht die Anzahl der Stierkampfveranstaltungen erheblich zurück. Wie die Zeitung La Vanguardia berichtet, weisen aktuelle Zahlen aus Andalusien in diese Richtung. So verzeichnet Sevilla einen Rückgang um 44 Prozent im ersten Haöbjahr 2008 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. In Huelva und Almerá ging die Zahl der durchgeführten corridas um fast ein Drittel zurück. Córdobaund Cádiz melden 13 Prozent Rückgang. In ganz Andalusien rechnet man mit einem Rückgang von 34 Prozent. Ganz schlimm traf es die Veranstaltungen mit Jungstieren und Nachwuchstorreros, den novilladas: 64 Prozent Rückgang!!

Als Gründe werden von den aficionados die aktuelle Konsumunlust wegen der Wirtschaftskrise genannt. Die Gegner verweisen eher darauf, dass vor allem die jüngeren Generationen von dem blutigen Spektakel nichts mehr wissen wollen. Noch aber wurden in Andalusien über 300 corridas abgehalten.

Kurzum: Immer weniger Spanier finden den Stierkampf attraktiv und haben sich neuen Alltagshelden zugewandt, wie zum Beispiel dem fußballspielenden Teil der Menschheit. Die tauromaquía scheint nur noch in den Millieus von Rentnern und nationalistischen Kreisen eine beliebte Freizeitbeschäftigung zu sein. Das sind übrigens die, die sich den schwarzen Osborne-Stier hinten aufs Auto kleben.

Wenn sich jetzt noch die Massenmedien abwenden und die veranstaltenden Kommunen, die im Rahmen ihrer städtischen fiestas die Kämpfe ausrichten, darauf verzichten, sieht es für den Stierkampf gar nicht gut aus.

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» Film über Stierkampflegende Manolete soll jetzt wirklich 2009 starten - eSpanien - Politik, Kultur, Sprache
11.13.08 at 16:31

{ 3 comments }

Sigrid Hecker 09.24.08 at 16:19

Das sind doch mal gute Nachrichten. 🙂

Savannah 01.28.09 at 20:38

Es ist schon gut zu sehen, dass sich die Einstellung der Spanier den Tieren gegenüber positiv verändert.

Corina 07.10.09 at 19:13

„…..die Kämpfe ausrichten, darauf verzichten, sieht es für den Stierkampf gar nicht gut aus.“

Aber dafür für die Stiere besser!!!

Mir hat eine Freundin aus Cordoba mal gesagt das nur Snobs die nix mit Ihrer Zeit anzufangen wissen oder dumme Menschen einen Stierkampf besuchen. Ich finde die Aktionen gegen den Stierkampf und Pamplona und alles was damit zu tun hat gut. Den Stierkampf allerdings mit der Formel1 oder der Tour de France zu verlgeichen (oder auch mit Springreiten) finde ich lächerlich!

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