Konservative Demo gegen Sprachpolitik in Katalonien

von Dirk Baranek am 29. September 2008

Gestern haben an einer Demonstration nach Angaben der Veranstalter 5.000 Personen (Polizei: 4.000) teilgenommen, die gegen die Sprachpolitik der katalanischen Regionalregierung protestiert haben. Organisiert wurde die Demonstration, die in der Innenstadt von Barcelona stattfand, von der konservativen Volkspartei PP sowie insgesamt über 20 liberal-bürgerlichen Initiativen.

Kritisiert wurde von Rednern die angebliche Diskriminierung Kastilisch sprechender Kinder in den Schulen. Gefordert wurde auf mitgeführten Transparenten ein „wahrer Bilinguismus“ sowie Sprüche wie Multeu-me, si us plau. Parlo castellà  – Bestraft mich bitte! Ich spreche Kastilisch.

Quelle: La Vanguardia

{ 6 comments }

Rumpf 09.30.08 at 12:17

Ihre Info ist vollkommen falsch. Die Demonstration wurde von Ciutadans organisiert (eine eher linke Partei) und nicht vom PP (die sich nur „anhängten“), es nahmen zivile Gruppierung aller möglichen Herkunft – einschliesslich der Unión de los Comunistas – teil. Warum „angebliche Diskriminierung der kastillisch (spanisch) sprechenden Kinder? In Katalonien kann groteskerweise keine Kind in Spanisch, also in der Landessprache, den Schulunterricht bekommen und Spanisch wird wie eine Fremdsprache behandelt (derzeit zwei Stunden pro Woche). Es wäre vielleicht gut, wenn Sie sich an Ort und Stelle mal selbst informieren würden.

Dirk Baranek 09.30.08 at 12:33

OK, das mit dem Veranstalter war falsch.

„Angeblich“ deshalb, weil das ja wohl umstritten ist. Sollte ausdrücken, dass es sich um die Behauptung der Demonstranten handelt. Darf man ja wohl so kenntlich machen.

Bzgl. „konservativ vs links“ : Nunja, ist eh schwierig in dieser Gemengelage mit diesen Begriffen zu operieren. Tatsache ist aber, dass in Katalonien derzeit eine wohl eher der Linken zuzuordnende 3-Parteien-Regierung an der Macht ist, oder sehe ich das falsch? Und die haben ja nun die Schulpolitk umgesetzt…

Von daher muss ich die These „vollkommen falsch“ komplett zurückweisen. Wir haben hier außerdem eine ganze Reihe von kritischen Artikeln zu der Katalanisierungs-Politik veröffentlicht…

Michael 09.30.08 at 15:54

halo dirk,

leider muss ich hier dem vorredner „rumpf“ recht geben.
von angeblich unterdrueckt kann keine rede sein.
hier in katalonien wird ganz eindeutig das kastilische (spanisch) unterdrueckt.
ob man von einer linken regierung in katalonien sprechen sollte? ich glaube nicht.
man sollte aus der vergangenheit lernen und keine sprache unterdruecken. dies haben die katalanen nicht gelernt.
sie handeln nicht besser als franco mit seiner sprachenpolitik.
und dies alles obwohl mehr als die haelfte der katalanischen bevoelkerung ueberwiegend spanisch spricht. hier werden eindeutig geltende gesetze gebrochen.
liebe gruesse michael

Dirk Baranek 09.30.08 at 16:12

Ich persönlich sehe das ja ähnlich kritisch und glaube, dass die Katalanen das Kind mit dem Bade ausschütten, wie man so sagt.

Allerdings halte ich bei der Beurteilung der Maßnahmen einen Vergleich mit der Franco-Repression für völlig überzogen. Immerhin gibt es kein „Sprechverbot“ und auch keine Zensur für Medienprodukte. Sondern es wird eben in katalanischen Schulen auf Katalanisch gelehrt. Was sollen denn die Katalanisch sprechenden Kinder für Unterricht bekommen? Auf Kastilisch? Das scheinen wohl 80 Prozent der Katalanen einfach nicht mehr zu wollen… Die wollen offenbar den katalanischen Regelunterricht.

Dass das ein Irrweg ist, der Minderheitenschutz bei der Umsetzung verletz wird und obendrein wahrscheinlich nicht vereinbar mit der spanischen Verfassung, wird sich noch weisen müssen. Entsprechende Klagen laufen, wenn ich mich nicht irre.

Es ist eben die Crux in Spanien, und ich habe das in mehreren Artikeln hier auch so herausgearbeitet, dass Sprache Politik ist. Denn offenbar gilt die Formel: „Je mehr es mir gelingt nachzuweisen, dass wir hier kein Kastilisch sprechen, umso stärker kann ich auf politische Autonomie pochen.“

Das ist mehr als unglücklich, führt zu vielen Spannungen, kann aber aus der spanischen Geschichte in den letzten100 Jahren abgeleitet werden. Eine Lösung weiß ich auch nicht, ich bin nur der Chronist.

Pardis 11.18.08 at 20:09

hallo
also ich mache grade ien präsentation über katalonien halten und ich habe mich bis her sehr gut informiert ist ja auch meine pflich tund ich seh es defintiiv nciht so wie sie!!!! die katalanen werden imme rnoch unterdrückt…udn e sist eine unverschämtheit wenn menschen wie sie sie iunfachcniht ernst nehmen!!!

Hans 07.19.10 at 15:59

Pardis, das ist purer Unsinn. Die Katalanan werden in keiner Weise unterdrückt, vielmehr halten sich selbst offizielle Stellen nicht an die eigene Gesetzgebung. Trotz aufforderung erstellt meines Wissens keine Katalanische Behörde Schriftstücke in Kastilisch, entsprechende Bitten werden einfach ignoriert, das nächste Schreiben kommt wieder in Kataln (Begründung: der Computer erstellt kein kastilisches Dokument. Kastilischsprecher und Ausländer werden so nachhaltig und in unverfrorener Weise benachteiligt und können ihre Rechte nicht sinnvoll wahrnehmen. Ein Beispiel: Die Agencia Tributaria de Cataluna gibt auf Ihrer Websetie an, dass jeder das Recht hätte mit ihnen in der Sprache seiner Wahl zu kommunizieren. Eingaben in Kastilianisch werden dennoch konsequent in Katalan beantwortet. Das hat mit Europa nichts zu tun, das ist Kunden- und Besucherunfreundlich, kleinkariert und schlicht weg eine Frechheit. Stell dir vor ein Katalane in Stuttgart erhielte seinen Steuerbescheid in Schwäbisch…

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