Einsamer Sitzstreik gegen die Finanzkrise

von Dirk Baranek am 11. Oktober 2008

Bekanntlich bleibt im Moment kein Land der Welt verschont von den Turbulenzen der internationalen Finanzkrise. Auch die spanische Regierung sah sich gezwungen einzugreifen und musste 50 Milliarden Euro bereitstellen, um Risiken abzudecken. Ebenso wie in Deutschland wurden die Spareinlagen garantiert. Bisher blieb Spanien allerdings von Bankpleiten verschont, im Gegenteil, einige Institute konnten sogar die Entwicklung nutzen, um sich z.B. britische Wackelkandidaten einzuverleiben.

Hart getroffen hat es allerdings José Cereigido Fresno. Der Mann lebt in Torrevieja und betreibt an der dortigen Costa Blanca seit zwanzig Jahren ein seriöse Baufirma. Gestern hat er einen einsamen Sitzstreik vor einer Filiale des Unternehmens Bankinter begonnen. Niedergelassen hatte er sich auf einem Campingstuhl, an dem er außerdem ein Plakat befestigt hatte. Darauf informierte er die Passanten, dass die Bank ihm sein Geld nicht zurückgeben wolle. Außerdem hatte er daran Fotokopien der Kontoquittungen befestigt.

Fresno hatte vor ein paar Wochen für insgesamt  210.000 Euro Fondpapiere bei Bankinter gekauft. Problem dabei: Die Anteilsscheine waren von der inzwischen bankrotten US-Bank Lehmann Bros. emittiert. Die Bankmitarbeiter hätten ihm gesagt, das Kapital sei zu 60 Prozent garantiert und die Zinsen gut. Dann habe er einen Anruf von der Bank erhalten und ihm sei mitgeteilt worden, dass das Geld in Konsequenz des Lehmann-Bankrotts nun weg sei. Er habe daher auch keinerlei Chancen, von der Garantieregelung der Regierung zu profitieren.

Die Bank teilte inzwischen mit, auf dem Kaufvertrag sei nicht nur eindeutig beschrieben, dass das Produkt von Lehmann Bros. stamme, sondern auch dass damit Risiken verbunden seien. Außerdem würden in Kürze erste Gespräche der Lehmann-Gläubiger stattfinden, um rechtliche Schritte zu prüfen. Die eigenen Anleger wewrde man dabei nicht allein lassen, sagte ein Sprecher.

Das beeindruckt Fresno wenig. Er kündigte an, seinen Protest aufrechtzuerhalten. Er wolle so lange dort sitzen, bis er sein Geld zurückhabe. Notfalls werde er nach Madrid fahren, um vor der dortigen Zentrale der Bank den Protest fortzusetzen.

Quelle (mit Foto): La Verdad