Sarkozy: Wäre doch ganz gut, wenn Spanien dabei ist …

von Dirk Baranek am 22. Oktober 2008

Die aktuelle Banken- und Finanzkrise zeitigt eine erhöhte diplomatische Aktivität. Der Zwang, diesem globalen Phänomen international abgestimmte Maßnahmen der Nationalstaaten entgegenzusetzen, führt zu einer verstärkten Zusammenarbeit der Regierungen, zu Konferenzen allerorten. Eine wichtige wird Anfang November in den USA stattfinden und dabei geht es um nichts geringeres als die Ausarbeitung einer neuen Ordnung der Weltwirtschaft. Da wollen natürlich alle dabei sein …

Antreiber und führender Kopf dieser Aktivitäten ist Nicolas Sarkozy, der im Moment Ratspräsident der EU und diverse Initiativen ergriffen hat. Gestern sprach er vor dem Europäischen Parlament, um seine Vorstellungen darzulegen. Unter anderem ging es auch um die Liste der Teilnehmer an dem oben genannten Treffen, an dem die G-7-Staaten, die EU und die G-5 (China, Indien, Brasil, Südafrika und Mexiko)eingeladen sind. Was die spanische Diplomatie in helle Aufregung versetzte und alte Erinnerungen wachrief, war die Aussage Sarkozys, dass er die Teilnahme Spanien kritisch sehe, weil das nur zu Problemen mit Polen führen würde.

In einer seinem Auftritt folgenden Pressekonferenz hob Sarkozy zwar die Bedeutung Spaniens bei der Bewältitgung der Krise hervor, aber er sei nicht derjenige, der die Einladungen ausspricht. Außerdem habe Polen fast genauso viel Einwohner …

Das ließ natürlich bei der spanischen Regierung alle Alarmglocken schrillen. Man sieht sich da leicht in die jahrhundertealte Rolle des Paria der Weltpoltik versetzt, dem zwar mal ein globales Reich gehörte, aber dann in der Bedeutungslosigkeit versank. Seit Jahrzehnten vrsucht man sich durch unterschiedliche Ansätze aus dieser Position herauszurobben, sei es mit der oft postulierten „Brückenfunktion“ zu Nordafrika und Lateinamerika oder wie bei Aznar als besonders treuer Verbündeter der USA. Angesichts der wirtschaftlichen Erfolge sieht sich Spanien nun in einer anderen Rolle und will sich nicht mehr so ohne weiteres an den Rand drängen lassen, wenn es darauf ankommt. Der Vergleich mit Polen verbittert, weil natürlich desse wirtschaftliche Bedeutung wesentlich geringer ist …

Heute ruderte Sarkozy zurück. Der Elysee-Palast gab ein Kommuniqué heraus, in dem es heißt, dass die französische Regierung das Ansinnen der spanischen unterstützt, an dem Gipfeltreffen teilzunehmen. Das sei angesichts der wirtschaftlichen Bedeutung des Landes als achtgrößte Volkswirtschaft nur angemessen. Dies sei bei einem Telefongespräch zwischen Sarkozy und dem spanischen Regierungschef Zapatero gestern Nachmittag zum Ausdruck gebracht worden. Offensichtlich hatte Zapatero zum Hörer gegriffen und interveniert. Immerhin befürwortet auch der britische Premierminister Brown die spanische Teilnahme. Die ist aber weiter offen.

Quellen: Invertia, El País