Katalanische Regierung protestiert gegen kritischen Artikel im „Economist“

von Dirk Baranek am 13. November 2008

Es war ja zu erwarten, ja, es passiert sozusagen reflexhaft. Die katalanische Regierung hat bei der Redaktion des britischen Wirtschaftsmagazins The Economist gegen den Inhalt eines langen Artikels protestiert, der sich kritisch mit der Regionalpolitik in Spanien auseinandersetzt.

Der Artikel liegt hier online in englischer Sprache vor.

Den Zorn der Katalanen hat sich der Autor Michael Reid vor allem aus zwei Gründen zugezogen. Zum einen bezeichnet er den langjährigen Präsidenten Pujol (und andere Reginalpräsidenten) als Kaziken, also quasi omnipotente Herrscher, die sich ein von ihnen abhängiges Machtumfeld schaffen. Zum anderen kritisiert Reid die Sprachpoltik als völlig überzogen und verfehlt.

Unsere Meinung: Reid hat in vielen Punkten Recht! Zum einen in der Darstellung der Dezentralisierung und der darin zu Tage tretenden Auswüchse. Einfach mal selber lesen, klasse Artikel!

Quelle: La Vanguardia

{ 2 comments }

Bruno 11.13.08 at 20:44

sehr guter Hinweis. Danke

Heike und Lutz Bischoff 10.22.10 at 13:47

August von Schlegel (1845 verstorben) lebt heute an der Costa Brava und vermietet Häuser

Freunde wollten in den Ferien eine Kulturveranstaltung in Sant Feliu de Guíxols besuchen und unser kleines, in der Nähe liegendes, vor 25 Jahren erworbenes Häuschen, als Unterkunft nutzen. Dies war jedoch unmöglich, da es von einer katalanischen Familie nachweislich mit “ gültigem Mitvertrag von August von Schlegel “( verstorben 1845 ) zwischenzeitlich bewohnt ist.
Ein in der spanischen Amtssprache verfasstes Fax an die örtliche Polizeistation, worin die Personalien der dort wohnenden Familie sichergestellt werden sollten wegen möglicher Regressansprüche, wurde bis heute ebenso ignoriert wie eine formelle Anzeige gegen die Hausbesetzer. Aus der Sicht der katalanischen Bevölkerung und Politik mag ein solches Verhalten vielleicht eine Form des kulturellen Regionalismus und Widerstandes gegenüber einer politisch zentralistisch ausgerichteten Machtbestrebung sein, undifferenziert angewandt kann es aber für europäisch ausgerichtete Catalunya Freunde irritieren.

Erschreckend finden wir das Verhalten der langjährigen katalanischen Nachbarn, die die “Neumieter” nicht darauf hinwiesen, das August von Schlegel gar nicht Eigentümer des Hauses sein konnte und damit duldeten, ihre eigenen Landsleute als kriminell zu diskreditieren – vorausgesetzt, dass für ‘ausländische Steuerzahler’ nicht rechtsfreie Räume zur politischen Tagesordnung gehören.

Neben Rechtsanwaltskosten, Organisation der Hausräumung, Fahrtkosten, Grundsteuer, Strom und Wasser, die von uns als Eigentümer zu tragen sind, wird die katalanische Sozialhilfe belastet, die auf diesen August-von Schlegel-Mietvertrag den Wohngeldanteil berechnet. Die Feststellung der Personalien für Regressansprüche wird mit der Nichtunterstützung der Polizei vertagt respektive ganz verhindert.
Als katalanische Dauergäste und Steuerzahler fragen wir uns jetzt natürlich, ob die lokalen Ordnungskräfte einen europäisch vereinbarten Standard der öffentlichen Sicherheit überhaupt gewährleisten oder überhaupt noch durchsetzen können?
Der bis dahin geltende katalanische Kulturaustausch könnte sich auf die Aussage reduzieren: als Steuer- und Beitragszahler willkommen, aber für die wenigen Urlaubswochen im Jahr doch nur ‘Besatzer’ auf katalanischem Boden.

Damit kein anderen Europär ähnliche Erfahrungen macht, haben wir uns entschieden für unser Haus einen katalanischen Kaufinteressenten zu finden. Beim Kauf der Immobilie wurden wir auf die Bepflasterung der Abfahrt zur Garage hingewiesen, die ausschließlich aus zusammengetragenen Steinen aller Regionen Kataloniens gepflastert wurde. Diese Steine wurden trotzt ihrer Unebenheiten von uns 25 Jahre gepflegt und erhalten – die jetzt dort wohnenden Katalanen beseitigen diese Steine gerade, weil sie Schaden für die Familienkutsche befürchtet. Viva Catalunya !

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