Konservative Großkundgebung

von Dirk Baranek am 28. Dezember 2008

Ein Ereignis, das heute in Madrid stattfand, zeigt mal wieder eindringlich, wie stark die Medien in Spanien von Parteipolitik geprägt sind, von weltanschaulichen Kritierien.

Denn heute versammelten sich mehrere hundertausende Menschen bei einer Veranstaltung der katholischen Kirche. Es wurde eine Messe unter freiem Himmel gelesen und natürlich gepredigt. Traditionell wird daraus inzwischen stets eine Demonstration gegen die amtierende sozialistische Regierung, die in der Vergangenheit keinem Konflikt mit der katholischen Geistlichkeit aus dem Weg gegangen ist. Aktuell ging es um Pläne, die Abtreibung zu liberalisieren, sowie die generelle Ablehnung der gesellschaftlichen Öffnung wie zum Beispiel die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft. Der Erzbischof von Madrid, Antonio María Rouco Varela, geißelte all diese Dinge aus Schärfste, was merkwürdigerweise deutsche Medien in ganzer Breite aufgegriffen haben. SpiegelOnline berichtet und sogar die Tagesschau.

Wenn man sich nun die Online-Angebote der spanischen Medien anschaut, fällt auf, dass El País darüber weder auf der Startseite noch im Bereich „España“ berichtet. Das ist bei den konservativen Gegenspielern ABC und El Mundo ganz anders. Die präsentieren das natürlich prominent. ABC hat gleich eine ganze Bilderstrecke reingestellt.

Ganz interessant ist auch eine Kommentarschlacht bei El Público. Bis eben waren dort 314 Meinungsäußerungen eingegangen und man scheut dort kaum harte Worte, wüste Beschimpfungen und gewagte Vergleiche.