Aus der Not eine Tugend gemacht

von Dirk Baranek am 7. Januar 2009

Es ist schon immer wieder erstaunlich, wie die Marktwirtschaft mit besonderen Angeboten auf eine entstehende Nachfrage reagiert. Im folgenden Fall geht es um das originär spanische Problem des sogenanten botellón. Damit wird die Neigung vor allem junger Leute bezeichnet, sich an bestimmten öffentlichen Plätzen abends zu versameln, mitgebrachte Getränke zu konsumieren, sich zu unterhalten und einfach ein bisschen Spaß zu haben. Diese Mode ist in allen größeren Städten anzutreffen.

Das Problem dabei ist, dass es dort immer wieder zu gewissen Exzessen kommt. Nachbarn fühlen sich durch den oft bis spät in die Nacht verursachten Lärm belästigt, durch die Hinterlassenschaften der Leute und andere Begleiterscheinungen. Immer mehr Stadtverwaltungen sind inziwschen dazu übergegangen, gegen die Ansammlungen vorzugehen. Platzverbote, Erstatzflächen, Antilärmverodnungen – das Repertoire der Maßnahmen ist breit, führt aber oft nicht zum gewünschten Erfolg.

Auf eine andere Idee ist ein findiger Gastronom in der galizischen Stadt Santiago de Compostela gekommen. Er hat seine Räume einfach den jungen Leuten geöffnet. Die zahlen jetzt nur noch fünf Euro Eintritt, bringen aber die Getränke selbst mit. Damit hat der Wirt seinen Laden wieder gefüllt, denn ihm wie auch vielen anderen Betrieben blieben die Gäste aus. Die Stadtverwaltung zeigte sich denn auch schon recht angetan. Denn letztendlich wird der Verdrängungsdruck nur etwas bewirken, wenn es Ausweichmöglichkeiten gibt. Oder es gibt Gegengewalt. Bisher ist Spanien nämlich von Ausschreitungen a la Frankreich oder Griechenland wegen der soweit stabilen sozialen Lage verschont geblieben. Wobei man natürlich auch sagen muss, dass es ist Galicien jetzt echt mieses Wetter hat …

Quelle: El Correo Gallego

Hier noch ein Video mit einem Song über das Phänomen botellón und den entsprechenden Bildern…