Zum aktuellen Stand der Dinge der regionalen Sprachpolitik(en)

von Dirk Baranek am 29. März 2009

Nach den Wahlen in Galicien und im Baskenland, die wohl in beiden Regionen einen Regierungswechsel zur Folge haben werden, steht dort auch die jeweilige Sprachpolitik auf dem Prüfstand. Denn in beiden Regionen hatten in den letzten Jahren nationalistisch-links-bürgerliche Regierungen versucht, die jeweilige Regionalsprache, also Galicisch bzw. Baskisch, mehr in der Öffentlichkeit zu verankern.

Handlungsfelder sind dabei naturgemäß alle Bereiche, die in die Kompetenz der Regionalregierungen fallen: Schulen und Universitäten, die öffentliche Verwaltung, die von staatlichen Zuschüssen abhängige Kultur, das Regionalfernsehen usw..

Das alles ging nicht ohne Proteste ab und zum Beispiel war der Streit über die Sprachpolitik wohl ein Grund, dass die eher kastilisch-zentralistisch orientierte, konservative Volkspartei in Galicien der Koalition aus Sozialisten und galicischen Nationalisten eine Niederlage beibringen konnte. Für El País ist dies ein Anlass, einmal die wichtigsten Regelungen und aktuellen Entwicklungen zusammenzufassen, die einen ganz guten Überblick über den ansonstehn etwas verwirrenden Stand der Dinge ermöglichen. Lustiger Titel des Artikels übrigens, der auf die Herstellung des spanischen Nationalgerichts Tortilla anspielt. Die MIschung aus Eiern, Kartoffeln, Tomaten und Zwiebeln muss öfter gewendet werden: Otra vuelta a la tortilla de las lenguas – Weitere Wendung der Tortilla der Sprachen…

Balearen

Die gesetzliche Grundlage der Maßnahmen auf Mallorca, Menorca und Ibiza ist ein Gesetz von 1986. In den Schulen soll mindestens die Hälfte des Unterrichts auf Katalanisch sein. An den Unis ist inzwischen der Großteil der Seminare auf Katalanisch. Das Regional-TV ist katalanisch, allerdings gibt es einen Kanal, der zur Hälfte in Kastilisch sendet.

Aktuell in der Diskussion ist die Ausschreibung von 4.000 Stellen im Öffentlichen Dienst. Um einen der begehrten Posten zu ergattern, muss man Grundkenntnisse des Katalanischen vorweisen. Außerdem in der Planung: 1.000 weitere Vorschläge der aktuellen links-regionalistischen Koalitionsregierung, um das Katalanische voranzubringen. Zum Beispiel sollen Kulturvereine, die staatliche Subventionen erhalten, Katalanisch benutzen.

Katalonien

1997 hat die Dreiparteien-Koalition aus Sozialisten und Nationalisten (Tripartito) das aktuelle Sprachgesetz durchgesetzt. In den Schulen wird auf Katalanisch unterrichtet, wobei drei Stunden pro Woche Kastilisch sein sollen. Viele Schulen machen aber nur zwei. Die Eltern können allerdings in den ersten acht Jahren Unterricht auf Kastilisch verlangen. Das sieht dann so aus, dass die Kinder in der gleichen Klasse vom Lehrer auf Kastilisch angesprochen werden und das Material auch in dieser Sprache ist. Klingt ziemlich absurd …

An den Universitäten und im Fernsehen ist fast nur noch Katalanisch zu hören.

Aktuell soll das Schulgesetz dahingehend überarbeitet werden, dass die Eltern nur noch für ein Jahr die Option des Kastilischen für ihr Kind auswählen können. Es ist abzusehen, dass das Kastilische bald nur noch als Fremdsprache neben dem Englischen im Bildungssystem vorhanden sein wird. In den Öffentlichen Dienst kommt man ohne Katalanisch nicht mehr rein.

Galicien

In den Schulen findet die Hälfte des Unterrichts inzwischen auf Galicisch statt. An den Universitäten ist Galicisch zwar die offizielle Verwaltungssprache, aber tatsächlich finden auf Grund der Freiheit der Lehre nur etwa 20 Prozent der Veranstaltungen darin statt.

Das Regionalfernsehen sendet ausschließlich auf Galicisch.

Die PP hat bereits angekündigt, das Sprachengesetz, das ursprünglich 1983 verabschiedet und 2007 reformiert wurde, wieder zu ändern. Wie genau, ist noch unklar, aber die Eltern sollen größere Wahlfreiheit haben.

Baskenland

An den Schulen gibt es theoretisch drei Modelle: Auf Baskisch mit Kastilisch als Fremdsprache, zweisprachig oder auf Kastilisch mit Baskisch als Fremdsprache. Die letzte Option ist klar in der Minderheit. An den Universitäten werden inzwischen die Mehrheit der Pflichtkurse auf Baskisch abgehalten. Im Fernsehen gibt es zwei Kanäle, der eine sendet auf Baskisch, ein anderer auf Kastilisch.

Da in der Realität nur die Schüler die gesetzlichen Vorgaben schaffen, die komplett auf Baskisch unterrichtet werden, plant die designierte neue Regierung Änderungen. Es soll in Richtung Dreisprachigkeit gehen: Baskisch, Kastilisch, Englisch.

Communidad Valenciana

In dem Küstenstreifen am Mittelmeer regieren seit vielen Jahren die Konservativen, die auch 1983 gegen den Willen der Linken und Nationalisten das geltende Gesetz in Kraft setzten. In den Schulen gibt es Wahlfreiheit, aber die kann nicht überall gewährleistet werden, vor allem in den weiterführenden Schulen. Auch an Universitäten ist das Valencianische eher unterrepräsentiert. Es gibt zwei TV-Kanäle, dessen kleinerer 50% auf Kastilisch sendet. Der Größere, Punt 2, sendet nur auf Valencianisch. Änderungen an der Sprachpolitkk sind im Moment nicht geplant.