Twittersturm im Wasserglas – die Verhaftung, die keine war.

von Dirk Baranek am 16. April 2009

Jerónimo Palacios aus Granada ist ein ruhiger Zeitgenosse. Normalerweise berät er Unternehmen bei Aktivitäten im Web oder schlägt neue Kommunikatiosstrategien vor. Vorletzte Woche allerdings passierte etwas, womit er nicht gerechnet hatte und das auch Chancen und Risiken des neuen Kommunikationsdienstes Twitter auf eindringliche Weise zeigt.

An diesem 7. April hatte Palacios sich unterwegs in einem Supermarkt versorgt und es sich dann auf dem Parkplatz davor in seinem Auto gemütlich gemacht. Mit seinen mobilen Geräten informierte er sich ein wenig, was grade so an Neuigkeiten im Netz im Gespräch war. Jäh unterbrochen wurde er, als mehrere Polizisten auftauchten und seine Papiere verlangten. Angeblich sei man von dem Sicherheitsdienst des Supermarkt angerufen worden, die einen Angriff auf die IT befürchteten – Verdacht auf Datenklau.

Palacios ließ alles recht gleichmütig über sich ergehen, konnte es sich aber nicht verkneifen, darüber zu twittern, was grade mit ihm geschah. So schrieb er:

Mit diesem Tweet löste Palacios die Welle aus
Auf deutsch: Die Polizei hat mich grade festgenommen wegen verdächtiger Aktivitäten. Mal sehen, ob sie mich auf die Wache mitnehmen.

Auch das Eintreffen weiterer Polizisten konnte er noch vermelden – con perros – mit Hunden. Letztendlich dauerte die ganze Sache eine knappe halbe Stunde – ohne irgendwelche Konsequenzen für Palacios. Problem war nur: Inzwischen war ihm der Strom ausgegangen und er konnte seine Leser nicht mehr auf dem Laufenden halten über den harmlosen Ausgang der Sache. Und die kam jetzt ins Rollen.

Innerhalb von Minuten war die spanische Twitterwelt in heller Aufregung. Neben vielen besorgten Nachfragen gab es allerdings auch das Nachbeten von dümmsten Gerüchten – nämlich der tatsächlichen Verhaftung. So schrieb jemand: hostia, han detenido a @giropa832, le están registrando en este momento!!! – Verdammt, sie haben @giropa832 verhaftet, sie filzen ihn gerade in diesem Moment!!!

Palacios war letzendlich nur 30 Minuten offline, musste aber nachträglich mehrfach insitieren, das außer einer Routinekontrolle eines Mannes, der nicht nur mehrere Rechner im Auto hatte, sondern auch eine erhebliche Summe Bargeld dabei, nichts gewesen war. Ein Twittersturm im Wasserglas also.

Das Verdachtsmoment allerdings, er würde Datenklau betreiben, kommentierte er sarkastaisch: El analfaburrismo vuelve a hacer su aparición. – Die Analfabetheselei hatte ihren erneuten Auftritt. Seiner Meinung nach hätten die Polizisten zu viel schlechte Filme gesehen und seien einfach zu inkompetent.

Quelle: bottup