Eins sei vorab gleich klargestellt: Bei diesem Buch handelt es sich nicht um elaborierte Hochliteratur, um psychologisch fein gemeißelte Charakterstudien, um einen Meilenstein der Literaturgeschichte. Nein, das Buch des FAS-Redakteurs Peter Richter ist eher einzuordnen unter “leichte Muse”. Was aber auf der anderen Seite nicht heißen soll, es handele sich um Trivialliteratur. Es ist einfach nett geschrieben, unkompliziert. Wenn es die Kategorie gäbe, würde ich es einordnen unter “Urlaubslektüre für den gehobenen Bedarf.”
Die Geschichte
Richter erzählt von dem Spanienaufenthalt eines deutschen Doktoranden, der ein Jahr in Madrid studiert und forscht zu einem Thema aus der spanischen Kunstgeschichte. Zeitraum: Siglo de Oro. Velazquez und Konsorten.
Ein Jahr weilt der Ich-Ezähler dafür Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrhunderts in der spanischen Hauptstadt Madrid. Dort erlebt er hautnah Irrungen und Wirrungen mit seinen neuen verückten Freunden aus der Wohngemeinschaft in einer Seitenstraße der Gran Vía. Es handelt sich um ein buntes Völkchen, sehr feierfreudig obendrein. Sie führen ihn ein in das Madrider Nachtleben mit seinen brodelnden Clubs und und den schier endlosen Nächten. Es geht auch um Liebe, um Ablehnung, um Freundschaft.
All das wird erzählt mit einem heiter-distanzierten Unterton. Und das ist eigentlich das Beste an dem Buch: Die Hauptfigur ist kein bedingungsloser, deutscher Spanien-Fan, der alles durch die rosa Brille sieht. Vielmehr nimmt Richter die Position des leicht spöttischen, manchmal verwunderten Beobachters mit ganz schön viel Sympathie im Herzen.
Mittendrin im Alltag
Ganz interessant ist der Roman über die “Spanischen Vorkommnisse” – so der Untertitel – besonders für all diejenigen, die ein bisschen Spanisch können und sich reinstürzen wollen in den spanischen Alltag. Denn es wird einem vieles erklärt, was diesen spanischen Alltag ausmacht. Seltsame Ess- und Trinkgewohnheiten, welche Vulagritäten die spanische Alltagssprache so aufweist und dass die Menschen einfach ein bisschen anders ticken als in Deutschland.
Kurzum, ich kann dieses Buch ohne weiteres empfehlen. Es ist frei von Klischees und zeigt Spanien und vor allem Madrid, einfach so, wie es ist: lebendig, manchmal etwas chaotisch, sehr herzlich und ab und zu auch ein bisschen zum verzweifeln.
Gran Vía
von Peter Richter
Goldmann Verlag, München, 2009
Hardcover, Fadenheftung
320 Seiten
18,95 €


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Klingt sehr interessant. Das Buch muss ich unbedingt während meines Urlaubs lesen. Danke für die Empfehlung!
Als Spanienkenner kann ich dieses Buch nur empfehlen !